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Mittelalterliches Bauernleben
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Mittelalterliches Bauernleben

ie Ethnologen klagen, daß ihnen der interessanteste Teil ihres Gegenstandes unter den Händen schwinde, da die Naturvölker teils ausgerottet, teils durch dieErziehung" zur Kultur ver­hunzt würde«, und sie arbeiten deshalb um so eifriger daran, die noch vorhandnen Neste jener außereuropäischen Kulturstufen, die man als Wildheit, Barbarei und Halbkultur zu bezeichnen pflegt, in Museen und Büchern für die spätern Geschlechter zu sammeln. Vielleicht wird es nach hundert Jahren um die bäuerliche Kulturstufe ähnlich stehen. Eng­land, dessen Ieomanry im Mittelalter die tüchtigste und namentlich kriegs­tüchtigste Bauernschaft Europas gewesen ist, hat schon heute keine Bauern mehr; seine Landwirtschaft wird von kapitalistischen Pächtern mit proletarischen Arbeitern betrieben und geht auch in dieser Form mehr und mehr zurück. Keinem, schreibt die Lawräs.^ Hkvisv am 4. Juni, der den landwirtschaftlichen Süden und Osten Englands (tlis vountrMäö) bereist, und dessen Erinnerung auch nur einige Jahre zurückreicht, kann entgangen sein, wie das Ackerland mehr und mehr zusammenschrumpft; und das Großstadtgift (tds OooKns^ virus) muß sich schon tief in seine Lebensphilosophie eingefressen haben, wenn ihn die Wahrnehmung dieses Prozesses nicht mit Betrübnis erfüllt hat. Wilde Weide anstatt der frühern Kornfelder, verlassene und halbeingestürzte Mühlen, verfallne Dörfer, ehedem blühende Marktflecken, die sich in elende Dörfer ver­wandeln, das sind die Zeichen des Niedergangs der Landwirtschaft, die sich dem Auge des Reisenden aufdrängen. Und wenn nun in seinem Geiste zu­gleich der Kriegslärm wiedertönt, von dem ja kein Tag frei ist, so mnß er sich fragen, was für eine Sorte von Soldaten nnd Matrosen wohl das Land zu seiner Verteidigung haben wird, wenn die entvölkerten landwirtschaftlichen Grafschaften aufhören, ihre strammen Rekruten zu stellen, und als einziger

Grcnzboten III 1898 7