Der Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland
1859 bis 1866
(Schluß)
he es noch sicher war, daß Italien seine eignen Wege ging, glaubte Napoleon III. in der Erwartung, es werde sich doch noch vom Kriege zurückhalten lassen, an Preußen eine entscheidende Forderung stellen zu können: am 2. Mai bezeichnete er dem preußischen Botschafter Robert von der Goltz andeutungsweise als den Preis für die französische Neutralität die Nheingrenze. Er hatte seine Karten zu früh aufgedeckt. Seitdem wußte Bismcirck, wessen er sich von ihm zu versehen habe; er mnßte den Krieg mit Österreich wagen auf die Gefahr hin, daß Frankreich das Rheinland bedrohe, denn von irgend welchem Eingehen auf solche Wünsche Napoleons konnte ja gar keine Rede sein.
Während sich somit der westliche Horizont umdüsterte, zeigte sich zugleich, daß sich die Hoffnung Vismarcks, die Mittelstaaten zu sich herüberzuziehen oder sich mindestens ihrer Neutralität zu versichern, nicht erfüllte. Sie kannten keinen höhern Gedauken, als die Behauptung ihrer ungeschmälerten Souveränität; sie wollten am liebsten mit den Kleinstaaten eine selbständige „dritte Gruppe" neben den beiden Großmächten bilden, deren Rivalität ihnen als die sicherste Bürgschaft ihrer eignen ungeschmälerten Selbständigkeit erschien. Nnr dachte Bayern die Trias als Schemel für eine selbständige europäische Großmachtstellung zu benutzen, und die Kleinstaaten zogen vermutlich, weuu sie denn einmal auf Souveräuitätsrechte verzichten sollten, einen mächtigen Schirmherrn, also eine Großmacht, einem anspruchsvollen, aber thatsächlich ohnmächtigen Beschützer vor. Sobald uun Preußen mit der Bundesreform unter seiner Führung Ernst machte, wurden die meisten Mittelstaaten auf die Seite Österreichs getrieben, das an eine ernste Bundesreform gar nicht dachte, am
Grenzten II 1898 70