502
Maßgebliches und Unmaßgebliches
— denn das wäre für die Minderbemittelten ein Abschied vom Mutterlande auf Nimmerwiedersehen —, sondern in der Nähe, sodaß die unmittelbare Verbindung mit dein Mutterlands gewahrt bliebe und dieses selbst im Falle der Not alle seine Kinder rufen könnte. Das entvölkerte Kleinasien und Syrien sind solche Länder, wie geschaffen zu einem andern Vaterlande für uns Germanen. Wenn England Ägypten besetzen konnte, warum sollen wir nicht jene Länder, die im Mittelalter so manche» Tropfen deutschen Blutes getrunken haben, bei der künftigen Aufteilung der Türkei von vornherein beanspruchen?
Zum erstenmale, seitdem die Germanen in der Geschichte aufgetreten sind, ist eine wirkliche Einheit ihrer Stämme geschaffen; das ganze Mittelaltcr hindurch fehlte die zeutralisirende Macht, die ihre Kräfte zur segensvollen Vereinigung zu zwingen imstande war. Und trotzdem hat auch die zersplitterte Kraft des Germanentums die ganze Zeit hindurch Probe abgelegt von seiner Existenzfähigkeit, von seiner Unvcrwüstlichkeit. Jetzt aber — endlich! — sind die Stämme dauernd geeint unter einem gesunden Herrscherhause, das durch die Jahrhunderte mit treuster Arbeit, in Freud und Leid, unermüdlich, geholfen hat am Werke der Neugeburt des Germauentums, das in sich durch seine Vollsaftigkeit, durch sein Werden und Wachsen ein Sinnbild der Gesamtnation geworden ist. Sei uns das Herrschergeschlecht nicht nur ein Sinnbild, sondern auch eiu Vorbild in der Bethätigung unsers Nationalcharakters! Das Wort, daß am deutschen Wesen die Welt gesunden soll, ist nicht nur geistig zu verstehen, sondern auch realpolitisch. Nur Deutschland vermag eine slawische Weltherrschaft zu verhindern, uur ein Großgermanien in der Zuknnft das politische Gleichgewicht der Welt herzustellen.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Zur Landarbeiterfrage. In dem ersten Artikel über Nietzsche ist S, 180 noch einmal der verhängnisvolle Widerspruch erwähnt worden, der im heutigen Lohnarbeiter steckt. Die aus diesem Widerspruch entspringenden Fragen werden in diesem Augenblick auf einem Gebiete brennend, an das man bei dem Streit um den Svzialismus in den siebziger Jahren gar nicht gedacht hat. Die Klagen über den Arbeitermangel ans den ostelbischen Landgütern, die am 29. Januar Herr Szmnla im preußischen Abgeordnetenhnnse vorgetragen hat, und die Mitte März in mehreren Landwirtschaftskammcrn, namentlich in der schlesischen und ostpreußischen, erörtert worden sind, mögen ja gleich allen agrarischen Klagen sehr übertrieben sein, aber daß selbst nach Abzug aller Übertreibungen noch eine ernste Gefahr für die Landwirtschaft dieser Provinzen übrig bleibt, scheint nicht bezweifelt werden zu können. Halt man die Reden und Berichte über diesen Gegenstand zusammen, so kommt ungefähr das heraus, was ich über die Ursachen der Entvölkerung des Landes in „Weder Kommnmsmus noch Kapitalismus" von S. 335 ab gesagt habe,