Joseph (Lhamberlmn
von Hugo Bartels
nvergeßlich bleibt uns aus den Erinnerungen der Schulzeit die Gestalt des buntrockigen kleinen Joseph, der, von seinen Brüdern verkauft, trotz Sklaverei und Gefänguis, trotz Weiberguust und Weiberhaß seinen Weg in das Kabinett Sr. Pharaonischen Majestät fand, lange Jahre als vertrauter Minister im Nillande waltete und endlich, hochbetagt und mit Ehren überhäuft, bei den Ägyptern ein seliges Ende fand.
Zwar nicht ganz so abenteuerlich, aber uicht weniger eigentümlich ist die Laufbahn eines andern, modernen Joseph aus dem Volke, das von sonderbaren Schwärmern für die Nachkommenschaft der Verlornen zehn Stämme des Volkes Israel gehalten wird. Was will Saul unter den Propheten? Wie kommt Joseph Chamberlaiu, der Erzradikale, unter die Tories? Es ist iu der That ein seltsames Schauspiel, die Verfechter vou Staatskirche und Adel eiuem Maune zujauchzen zu sehen, mit dem sie erst vor wenigen Jahren die gröbsten Wahrheiten austauschte«, weil er ihnen die Grundlagen der Gesellschaft erschüttern zu wollen schien. , Im Jahre 1883 malte Chamberlain Lord Salis- bury in deu dunkelsten Farben als einen Mann ohne das geringste Mitgefühl für die armen irischen Bauern, als den Wortführer einer Klasse von Menschen, die weder arbeiteten noch spönnen, und deren Vermögen aus Schenkungen stamme, die ihnen in längst vergangnen Tagen für höfische Dienste zugefallen seien. Seitdem aber ist vieles anders geworden. Im Jahre 1895 vermochte es Chamberlain über sich, einen Platz an dem grünen Tische einzunehmen, an dem sein Beelzebub von 1883 den Vorsitz führte, und gegenwärtig sind die Gegensätze soweit ausgeglichen, daß er am 5. November 1897 in Glasgow erklären °Grcnzl'oten II 1898 M