Das Zeitalter Napoleons 111. und Wilhelms 1.
127
wo Krankheit oder Alter sie an der Ausübung ihrer Erwerbsthätigkeit hindert, haben die Gemeinde und der Staat helfend einzugreifen. Die vorhin erwähnten Anstalten müßten also Alumnate sein. Unter der Leitung verständiger Pädagogen müßten die Kinder in der schulfreien Zeit angemessen beschäftigt werden; der Unterricht könnte in den bestehenden Gemeindeschulen, sür besonders begabte in höhern Schulen stattfinden. Die Anstalten hätten nur die Hauserziehung zu ersetzen.
Für die noch nicht im schulpflichtigen Alter stehenden Kinder des Proletariats wird schon jetzt von privater Seite durch Kindergärten gesorgt, wo die Kinder der während des ganzen Tages außer dem Hause beschäftigten Eltern Aufnahme und liebevolle Behandlung finden. Auch diese Veranstaltungen sollte der Staat oder die Stadt übernehmen, schon um dem Ganzen das Gepräge der Wohlthätigkeit zu nehmen; denn dem berechtigten Stolz der Armut muß Rechnung getragen werden.
Wer aber vor den allerdings nicht geringen Kosten, die diese Einrichtungen verursachen, zurückschrecken sollte, der möge sich gesagt sein lassen, daß sür die Jugend das Beste gerade gut genug ist. Die Jugend stellt die Zukunft dar, von der wir alle das Beste hoffen, und wer die Jugend hat, dem gehört die Zukunft.
Wir selbst haben es also in der Hand, unser Volk, das auf die physische und sittliche Tüchtigkeit der Jugend angewiesen ist, nach unserm Willen, nach unsern Idealen zu gestalten. Die Sittenreinheit aber ist der Boden, auf dem allein die höchsten Volkstugenden gedeihen können, und diesen Boden in dem heranwachsenden Geschlecht vorzubereiten darf kein Opfer zu groß sein. Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr Alles freudig setzt an ihre Ehre!
Berlin Friedrich Traugott
Das Zeitalter Napoleons III. und Wilhelms I.
riedrich Rückert sagt einmal: „Stelle dich selber dar, und du kommst in Gefahr, aus der Rolle zu fallen." Die gleiche Gefahr droht jedem Geschichtschreiber, der es unternimmt, denselben Zeitraum darzustellen, den er werdend, denkend, fühlend und strebend selbst mit, erlebt hat. Sind wir doch längst gewöhnt, dem Memoirenschriftsteller — und mehr oder minder wird jeder Darsteller seiner Zeit einem solchen ähnlich erscheinen — mit dem Verdacht entgegenzutreten,