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Ein sozialpolitischer Rückblick in die deutsche Geschichte
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Gin sozialpolitischer Rückblick in die deutsche Geschichte

enn man der in den Zeitungen zu Tage tretenden öffentlichen Meinung Glauben schenken wollte, so müßte man annehmen, daß die Bestrebungen des Sozialismus und Kommunismus durchaus neu seien und allein dem neunzehnten Jahrhundert angehörten. Aber in den Zeitungen kommen meist nur die Stimmen der Anhänger und Gegner zu Worte, die fast ausnahmslos durch ihre Interessen geleitet werden. Auf beiden Seiten ist man nur zu sehr geneigt, das eigne Interesse für das Interesse des Volkes zu halten, obwohl Fürst Bismarck oft genug den Mißbrauch gegeißelt hat, den die Parteien mit dem Worte Volk getrieben haben. Es sind nicht nur die Sozialdemokraten, sondern ebenso die sogenannten staatserhaltenden Parteien, die in gleicher Weise schuldig find. „Einer jeden am Staatsruder sitzenden Partei scheint der Angriff auf ihre Macht nicht bloß ihr eignes Interesse, sondern zugleich das allgemeine Interesse des Rechts, der Sitte, des Vaterlandes zu bedrohen — die Priester­aristokratie glaubt sogar den Herrgott selber verteidigen und rächen zu müssen."*) So sehr die „Männer der Praxis" sich auch selber für sachverständig halten mögen, so überlegen sie auf nicht Sachverständige herabzusehen und über sie abzusprechen Pflegen, so sind sie doch selber sast ausnahmslos völlig ein­seitig in ihrem Urteil, weil sie von ihren Jnteresfen und Gewohnheiten be­herrscht werden und von der historischen Entwicklung keine Kenntnisse haben. So vermag sich ihr Blick nicht von dem Nächsten zu lösen, und darum darf der Politiker, wie das die Grenzboten schon öfter hervorgehoben haben, niemals die rein subjektive Bedeutuug der Tagesmeinungen überschätzen.

*) .Bgl. Röscher, Politik (18V2). Grcnzboten I 1398

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