Maßgebliches und Unmaßgebliches
Die Deckung des Flottenaufwauds. Das Reichsmarineamt hat seiner Denkschrift über die Seeinteressen des Deutschen Reichs eine zweite folgen lassen: „Die Ausgaben für Flotte und Landheer und ihre Stellung im Haushalt der wichtigsten Großstaaten." Zweck und Gegenstand der „Untersuchung" ist, die Annahme zu widerlegen, daß der bisherige Aufwand des Deutschen Reichs für Heer und Flotte schon unverhältnismäßig groß sei, die Ausgaben für Kulturzwecke in nnzulässiger Weise beschränke und die Steuerkraft übermäßig in Anspruch nehme. Ein zutreffendes Urteil hierüber, meint der Nationalökonom und Statistiker nnsrer Marine, sei nur durch eine zahlenmäßige Untersuchung zu gewinnen, die es möglich mache, die Höhe der militärischen, insbesondre der Marineausgaben in Deutschland an dem entsprechenden Aufwand der andern Großstaaten und an den von der Kriegsflotte zu schützenden Werten zu messen, die finanziellen Leistnngen für die Machtstellung des Landes mit denen für die sonstigen Zwecke des Gemeinlebens zu vergleichen und die Steuerlasten zu bestimmen, die in den verschiednen Ländern aus den militärischen Anforderungen erwachsen.
Sehen wir zunächst ab von den zum Vergleich der Marineausgaben mit den Von der Kriegsflotte zu schützenden Werten gegebnen Zahlen, so sind folgende drei für die Beurteilung der Kostenfrage außerordentlich wichtige Thatsachen in der Denkschrift erwiesen:
1. Unsre bisherigen Ausgaben sür die Kriegsflotte steheu hinter denen aller andern europäischen Großflaaten, mit Ausnahme von Österreich, und hinter denen der Vereinigten Staaten von Nordamerika zurück. Der Marineaufwand betrug 1890 bis 1397 iu Deutschland (mit Pensionen) 703 433 000 Mark, also durchschnittlich im Jahre 37 929 000; in Rußland (ohne Pensionen) 890 455 000 Mark, also durchschnittlich 111307000 Mark; in Frankreich (mit Pensionen) 1814156000 Mark, also durchschnittlich 226 769 000; in Großbritannien (mit Pensionen) 2 376 420 000 Mark, also durchschnittlich 359427 000. Ferner in der Periode 1890 bis 1896, und zwar überall ohne Pensionen: in Deutschland 570487000 Mark (Durchschuitt: 81493000); in Italien 581375 000 Mark (Durchschnitt: 83054000); iu deu Vereinigten Staaten von Nordamerika 866916000 Mark (Durchschnitt: 123 345 000).
2. Die Aufwendungen für die Landesverteidigung überhaupt, einschließlich der Ausgaben für die Schuld, sind in Deutschland sehr mäßig gegenüber den andern Großstaaten, im Verhältnis zur Gesamtheit der „öffentlichen Ausgaben" niedriger, als irgendwo sonst. Es betrugen 1897/98 in Deutschland alle öffentlichen Ausgaben auf den Kopf der Bevölkerung berechnet: 38 Mark 98 Pfennige, dagegen die Ausgaben für Landesverteidigung und Schuld: 18 Mark 51 Pfennige, also 47,5 Prozent der Gesamtausgabe. Die entsprechenden Zahlen waren 1897 in Österreich: 33 Mark 27 Pfennige und 16 Mark 90 Pfennige, also 50.8 Prozent; 1897 in Frankreich: 65 Mark 6 Pfennige und 41 Mark 3 Pfennige, also 63,1 Prozent; 1896/97 in Italien: 36 Mark 73 Pfennige nnd 26 Mark 27 Pfennige, also 72.6 Prozent; 1896/97 in Großbritannien: 44 Mark 88 Pfennige und 32 Mark 69 Pfennige, also 72.8 Prozent; 1896/97 in Rußland: 19 Mark 6 Pfennige und 9 Mark 57 Pfennige, also 51,2 Prozent; in den Vereinigten Staaten von Nordamerika: 25 Mark 93 Pfennige nnd 15 Mark 6 Pfennige, also S3.1 Prozent.