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Wenn der Gedanke, der dieses Jahrbnch hervorgerufen hat, in vielen württem­bergischen Herzen nachklingt, werden sich vielleicht auch die Herren Künstler dazu bequemen, besseres aus ihren Mappen hervorzusuchen, als es das erstemal ge­schehen ist.

Theoretische und praktische Ethik. Da heute bei uns im Reiche*) der Zug auss positiv Kirchliche geht, so mag Richard Rothe wohl nur in den geist­lichen Kreisen noch stille Verehrer haben. Für den vereinzelten Denker bleibt der berühmte Ethiker, der ein ganz selbständiger Geist war, eine höchst anziehende Er­scheinung. Mit großem Interesse haben wir die Übersicht der Theologischen Ethik gelesen, die vr. Rudolf Ahrendts (Bremen. M. Heinsius Nachfolger, 1896) aus dem handschriftlichen Nachlaß Rothes herausgegeben hat. Seine Ethik ist ein kühnes spekulatives Gebäude, das eigentlich mit der philosophischen Glaubenslehre zusammenfällt. Vom Gottesgefuhl im Menschen ausgehend, koustruirt er den Gottesbegriff und untersucht dann, wie sich Gottsein kosmisches Sein" schafft. Selbstverständlich ist ihm nur der Geistschlechthin volles Sein" und eine für sich selbst bestehende Natur gar nicht denkbar. Ähnlich wie in der alten Gnostik schafft sich Gott sein kosmisches Sein in einer Stufenfolge von Schöpfnngskreisen, Welt­sphären oder Himmeln, und dabei wird nun ein mehr kühner als klarer Begriff der Materie entwickelt.Der weitere Verlauf der Skala der Kreaturstufen stellt sich folgendcrgestcilt heraus! Gott differeuzirt die reine Materie oder die Äonenwelt in die in reine Indifferenz in ihr zusammengeschlossenen Elemente, Raum und Zeit, und bezieht diese letztern gegenseitig auf einander und bestimmt sie hierdurch gegen­seitig durch einander. Der durch die Zeit bestimmte Raum ist die Ausdehnung, die durch den Raum bestimmte Zeit die Bewegung, die unmittelbare Zusammen­fassung, mithin die Indifferenz beider aber der Äther (das Chaos). Indem dieser wieder auf diefeldige Weise in sich indifferenzirt wird, ist die durch die Bewegung bestimmte Ausdehnung die Attraktion und Repnlsion (die Welt der Atome), die durch die Ausdehnuug bestimmte Bewegung die Schwere, die unmittelbare Zu­sammenfassung nnd mithin die Indifferenz dieser beiden aber das Weltgebände, die mechanische, d. i. astronomische Natur" (S. 69). Durch die Fähigkeit, sich selbst zu bestimmen, wird das Menschentier eine Person, ein sittliches Wesen; seine sitt­liche Aufgabe besteht darin, sich die Natur zuzueignen, und der normale Lebens­prozeß verläuft als ein Prozeß der Erzeugung von Geist. Das sittliche Gute ist die Übereinstimmung des wirkliche» Menschen mit dem Begriff des Menschen. Daß das bloße Menschentier noch keine Begriffe hat, also anch nicht den der Mensch­heit, daß ihm die Begriffe erst durch die Erziehung beigebracht werden, daß der erste Mensch keiner Erziehung teilhast werden konnte,auch nicht durch Gott," daß er also ganz unter der Herrschaft der Sinnlichkeit stehen, und daß die Entwicklung des Menschengeschlechts zunächst im Widerspruch mit der Idee der Menschheit ver­lausen mußte (S. 219), das verstehen wir, dagegen verstehen wir nicht, wie diese unvermeidliche Abweichung dem Menschen von Gott als Schuld angerechnet werden tonnte (S. 211), und dieBerührung" der sündigen Menschheitmit dem bösen Gcisterreich" kann überhaupt nichtspekulativ" abgeleitet werden, sondern ist ganz mechanisch durch den Kirchenglcmben in das System hineingekommen. Wie denn Rothe überhaupt in naher Beziehung zu Kant, Fichte und Hegel steht, so ist ihm

Und auch beim Nachbar,Am Dogma darf nicht gerüttelt werden!" rief der Vor­sitzende des Gerichtshofs zu Graz im Prozeß Wille, als von der Hölle die Rede war.