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Madlene : Erzählung aus dem oberfränkischen Volksleben :
(Fortsetzung)
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Madlene

Erzählung ans dem oberfränkischen Volksleben von I. H. Löffler

vttfasser vonMartin Böftlnger"

(Fortsetzung)

ie Sonne scheint so warm; es ist so schwül: heut kanns noch ein Gewitter geben. Wer liegt oder sitzt, schläft ein, so schwül ist es.

Der Frieder war nach dem reichlichen Mittngsessen in weißen Hemdärmeln zur hintern Thür hinaus durch den Obstgarten gegangen und hatte sich auf der Wiese hinter eine Hecke gesetzt. Da es aber so schwül war, war er nmgesuukeu ins Gras und eingeschlafen. Der blaue Himmel lachte ihm ins Gesicht; und ein Stnr schritt an ihm vorüber und sagte: Du Duckmäuser! Der Frieder aber sperrte das Maul auf und schnarchte sehr ernsthaft weiter.

Im Traume liegt er da so glücklich wie eiu Leutnant, und es ist ihm, als säße er iu einer Kutsche und die Madlene nebeu ihm, und als wüchse ihm ein Schnurrbart, so kitzelte es unter seiner Nase. Es wollte ihm allerdings schon seit langer als einem Jahr ein Schnnrrbnrt wachsen; er rasirte aber Donnerstags und Sonntags jeglichen Bartkeim hinweg, als wäre das Unkraut. Heute zum ersten Feiertag hatte er sich sogar mit besondern! Fleiß rasirt. Und doch° kitzelte es unter seiner Nase. Er fuhr mit der Hcmd über das Schnnrrbartsfeld im Traume und schnarchte weiter.

Madlene aber saß nicht neben dem Leutnant Frieder in einer Kutsche, sondern stand neben dem Träumendeu und fuhr ihm mit einem Grashälmchen leise, ganz sanft unter der Nase hin. Und wenn der Frieder das Hälmchen hinweg- gestrichen hatte und in seiner Kutsche weiter fuhr, kam es immer wieder und kitzelte weiter. Das Hälmchen wirkte endlich wie die Zauberrute eines Erdgeistes, daß die Kutsche leicht uud schwankend wurde, als wäre sie von Papier, uud Frieder hindurchplnmpste hinein ins Gras, wo er ruhig liege» blieb. Der Traum aber war dahin, nnd Frieder schnarchte nicht mehr. Da kam das Grashälmchen wieder.

Potzlauseud! Der Frieder springt auf. Mit einem Schrei entflieht Madlene. Wie ein Ölgvtze steht der Frieder da; er weiß noch nicht, ob er träumt oder wacht. Über Madlene aber ist ein großer Schreck gekommen, uicht einer, der blaß, sondern einer der rot macht. Und weil der Schrecken nnd die Scham in ihr einen Kampf mit einander begannen, so wnrde es in der Gegend der Nengierde bei ihr so bänglich und ängstlich, daß sie davon rannte wie ein gehetztes Reh.