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Huxley gegen Rousseau und Henry George
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Vom guten Geschmack und vom gesunden Menschenverstand

So kann man ein großer Biologe sein, ohne vom Recht und von der Volkswirtschaft etwas zu verstehen, und so hat sich denn der Übersetzer dieser drei Essays eine recht überflüssige Mühe gemacht. Auf die übrigen vier, die wirklich wertvolle Gedanken enthalten, kommen wir vielleicht bei einer andern Gelegenheit zurück.

Vom guten Geschmack und vom gesunden Menschen­verstand

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n der von Kapitän Lemuel Gulliver entdeckten und von Seiner Ehrwürden dem Dechanten Jonathan Swift zuerst beschriebnen gelehrten Lcmdschaft Laputa lebte in neuern Zeiten ein weiser Meister, einer von denen, die uns täglich den innern Sinn be­freien, während ihnen selbsterträglich der Leib gedeiht," und zu dessen Lehrstuhl die Jüuger von nah und fern strömten. Der Meister lehrte vor allen Dingen eine Wissenschaft, die er dieAnalysis der unendlichen Perfektibilität" nannte, und in der er den klaren Beweis sührte, daß nicht nur alles Menschliche in einem fortwährenden Fortschritt begriffen sei, sondern auch die steigende Vergeistigung des Menschen nach und nach eine gute Zahl grober und roher Glieder und Werkzeuge des Menschenlcibs vollständig ent­behrlich machen würde. Und da es gewiß sei, daß der Zukunftsmcnsch den Weltraum im Fluge durchschneiden, keiner Beine bedürfen werde, da bei der künftigen Ernährung dnrch wundersame Elixire und kostbare Tropfen die Zähne, die ohnehin eine fatale Erinnerung an die Verwandtschaft mit dem Affen und dem Raubtier sind, für überflüssig gelten würden, da es nicht ausgeschlossen sei, daß sich der Mensch der Unsterblichkeit um so viel nähere, als er unbrauch­bare Leiblichkeit los werden könne, so eröffneten sich sür das kommende Jahr­hundert gleichsam neue Himmel. Diese Verheißungen vernahmen die Schüler mit immer wachsendem Wohlgefallen, sie sahen von der Höhe ihres Selbst­bewußtseins verächtlich auf die Zweifler herab, lächelten täglich geheimnisvoller, behielten aber hübsch ihre Beine wie ihre Zähne. Nur einer von ihnen, ein enthusiastischer Bursche, wurde vvu dem Gefühl überwältigt, daß zur Ver­wirklichung so idealer Zuknnftsaussichten einmal ein Anfang gemacht werden müßte, ging hin, ließ sich die Beine amputiren und die Zähne sanft ausziehen. Als er nach langem Krankenlager mit schönpolirten Stelzfüßen und einem perlmntterglcinzenden Gebiß vor dem Meister und seinen Gesellen wieder