Die Briefstatistik der deutschen Reichspost
edes Jahr erscheint im Amtsblatt des Reichspostamts eine Statistik der deutschen Neichspost- und Telegraphenverwaltung; zehn bis zwölf Druckseiten sind mit Zahlen über den Briefverkehr bedeckt. Einen Blick auf die Entstehungsweise dieser Zahlen zu werfen, nm ein Urteil über ihren Wert oder Unwert zn gewinnen, ist wohl von allgemeinem Interesse.
Vom zweiten bis zum dritten Donnerstag in den Monaten Februar und August sollen in sämtlichen Postanstalten des deutschen Reichspostgebiets die ankommenden und die abgehenden und in den Bahnpostwagen, die den Verkehr mit dem Auslande vermitteln, die transitirenden Briefsendnngen gezählt werden. In den Bahnpostwagen stellt man nur die Anzahl der Briefe, Postkarten, Drucksachen, Warenproben und Geschäftspapiere in je einer Summe für jedes einzelne Land fest; die Postanstalten dagegen stellen für folgende Gattungen und Arten Einzelsnmmen fest: I. portopflichtige, gewöhnliche und eingeschriebne Briefsendungeu ») Briefe («. franlirte Briefe, 1. über, 2. unter 15 Gramm; /?. unfrankirte Briefe, 1. über, 2. unter 15 Gramm; 7. portopflichtige Dienstbriefe 1. über, 2. unter 15 Gramm); d) Postkarten; 0) Drucksachen; 6) Warenproben; II. zurückgekommne Zustelluugsurkuudeu; III. portofreie Briefsendungen. Für die von auswärts eingegangnen und für die im Orte anfgegebnen und für deu Ort bestimmten Sendungen sind unter Beachtnug obiger Einteilung gesonderte Summen festzustellen. Nach Entkartnng jedes Kartenschlusses (oder mehrerer Kartenschlüsse, die gleichzeitig eingehen) werden die Summen in einen Zählbogen eingetragen. Die sich aus den zweimal sieben Zähltagen ergebende Gesamtsumme wird mit sechsundzwanzig multiplizirt. Das so gewonnene Produkt ist die in der Statistik erscheinende Jahressumme.
Grenzboten IV 1897 77