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An unsre Leser
An unsre Leser
Wieder wenden wir uns am Jahresschluß an nnsre Leser mit der Bitte, die Grenzboten in ihren Bekanntenkreisen weiter zu empfehlen, nnd wo sie können, auch in der Presse für sie zn wirken. Wir glauben das mit einigem sachliche« Rechte thun zu dürfen. Die Grenzboten sind nach jeder Richtung hin unabhängig, sie huldigen keiner Partei und keinem Dogma, weder einem religiösen noch einem politischen noch einem sozialen. Woran sie mitarbeiten wollen, das ist die Größe nud das Glück des Vaterlandes. Diese aber sind unzertrennlich verbunden mit der nationalen, monarchischen nnd christlichen Grundlage uusrer Zustände. Wir erkennen es gegenwärtig als die wichtigste Aufgabe, den gewaltigen Kräften des deutschen Volkes einen erweiterten Wirkungskreis zu verschaffen, also Weltpolitik im richtigen Sinne des Wortes zu betreiben. Wir treten für jede mögliche Verbesserung in der Lage der yandarbeitenden Klassen ein, ohne zn verkennen, daß eine Beseitigung aller Üvelftände in unsrer nun einmal nnvollkommnen Welt uicht möglich ist, uud daß für die große Masse der Menschen die harte körperliche Arbeit notwendig ist, weuu uusre Kultur bestehen soll. Wir sehen in dem Staate nicht eine Zwangsanstalt, sondern das zur Macht geeinte Volk, die ursprünglichste und umfassendste aller menschlichen Institutionen. Wir wollen in Kunst und Dichtung eine gesunde Fortentwicklung, die den Cigeutümlichkeiten unsrer Zeit gerecht wird; aber die Neigung, alle alteu Ideale aufzuheben und alle ästhetischen Werte umzuwerten, lehnen wir als eine anspruchsvolle Verirrnng ab. Wir halten fest an dem Stolze nnd an der frohen Zuversicht auf eiue große Zukunft unsers Voltes, aller jämmerlichen NeichSverorossenyeit uud allem schwarzgalligen Pessimismus zum Trotze. Wer diese Ansichten teilt, der schwöre zu uusrer Fahue.
Für die Redaktion verantwortlich: Johannes Grunow in Leipzig Verlag von Fr. Will), Grunow in Leipzig. — Druck von Carl Marauart in Leipzig