Zur Weihnachtszeit
Erzählung von Sophus Bauditz. Übersetzt von Mathilde Mann
en ersten Weihnachtstag pflege ich bei meinem alten Freund Jens Holgersen, einein ehemaligen Gutsbesitzer und jetzigem Agrarier, zuzubringen. Eine ganze Reihe von Jahren war er Gutsherr auf Arrestrnp hoch oben in Vendshssel, aber er verkaufte deu Besitz, während es noch Zeit war, zog nach Kopenhagen und lebt dort jetzt als Rentier. Solange er Landmann war, interessirte er sich eigentlich außerordentlich wenig für die Wirtschaft, umso mehr aber für die Jagd; wenn alle seine Nachbarn wahrend eines dürren Sommers nahe daren waren, aus der Haut zu fahren, tröstete er sich damit, daß nun doch die jungen Rebhühner uicht unter der Feuchtigkeit zu leiden hatten, und wenn es ein ander Jahr derart regnete, daß es nicht möglich war, das Heu einzufahren, freute er sich bei dem Gedanken, daß dieses Wetter sehr günstig für die Bekassinen im Vibrander Moor sei.
Nachdem er das Gut losgeworden war, ging jedoch eine große Veränderung mit ihm vor: er gab freilich die Jagd nicht anf, im Gegenteil, er pachtete ein großes Revier drüben in Schweden, aber er ist allmählich ein eifriger Laudmanu in abskutiÄ geworden. Er liest landwirtschaftliche Zeitnugen, macht Svnntags- ausflüge nach Klampenborg oder Lyngbh, mir um zu scheu, wie das Kvru steht, geht häufig »ach der laudwirtschaftlicheu Akademie hinaus und besichtigt die Versuchskulturen, klagt regelmäßig über das Wetter, das das Meteorologische Institut liefert, und ist jetzt soweit gelaugt, daß er sich iu Opposition zu jedem Ministerium befindet, dessen Hanptanfgabe nicht darin besteht, Bewilligungen für Produktionszentren nachzusuchen, einem mhstischeu Etwas, über das weder der brave Jeus Holgersen uoch sonst irgend jemand mir eine einigermaßen verständliche Erklärung hat geben können.
Er ist verheiratet, hat eine prächtige Frau. Sie hat von vornherein begriffen, daß des Mannes Wahlspruch im Einklang stehen muß mit Erik Glippings Lebensregel: „Liebe und Jagd sind des Lebens Lust," daß aber die Erotik sich dem edeln Waidwerk hübsch uuterordueu muß; nie habe ich gesehen, daß sie eine saure Miene dazu machte, wenn er zu Mittag zwei Stunden später, als berechnet, uach Hause kommt, niemals hat eine Düte mit Salz iu dem Frühstückskorb gefehlt, den fie gepackt hat.
Das einzige Kind ist die Tochter Anna, ebenfalls ein prächtiges Mädchen. Frisch und liebreizend, blond und niedlich; ich biu ihr Pate und — selbstverstäud-