Fünfundzwanzig Jahre deutscher Reichsstatistik
s sind jetzt fünfundzwanzig Jahre her, daß für die amtliche Statistik des neuen deutschen Reichs eine besondre Pflegstätte in dem Kaiserlichen Statistischen Amt in Berlin geschaffen wurde. Zwar hatte schon seit 1833 eine Art statistischer Zentralstelle in dem Zentralbureau des Zollvereins bestanden. Aber dieses Bureau war seinem Zweck und Wesen nach eine rein subalterne Abrechnungsstelle für den Zollverein geblieben, und als Ende der sechziger Jahre der Kanzler des Norddeutscheu Bundes, Graf von Bismarck, eine „Kommission zur weitern Ausbildung der Statistik des Zollvereins" zusammengerufen hatte, wurden die Beratungen dieser Kommission durch den Krieg unterbrochen. Im April 1871 wieder aufgenommen, fanden sie dann im Herbst dieses Jahres ihren Abschluß mit der Überreichung einer Reihe eingehender sachkundiger Gutachten an den Bundesrat nnd schufen so die Grundlage für die neue deutsche Reichsstatistik. Am 20. Juni 1872 vollzog der Kaiser den für das Statistische Amt vom Reichstage genehmigten Nachtragsetat, und am 23. erließ der Reichskanzler die Dienstanweisung (Geschäftsinstrnktivn), die noch heute gilt. Darin ist dem Amte die Aufgabe zugewiesen: „1. das auf Grnnd von Gesetzen oder auf Anordnung des Reichskanzlers für die Reichsstatistik zu liefernde Material zn sammeln, zu prüfen, technisch und wissenschaftlich zu bearbeiten und die Ergebnisse geeignetenfalls zu veröffentlichen, nnd 2. auf Anordnung des Reichskanzlers statistische Nachweisungen aufzustellen nnd über statistische Fragen gutachtlich zu berichten." Das neue Amt wurde ausgestattet mit einem Direktor, zwei Mitgliedern, d. h. wissenschaftlich vorgebildeten Räten, und acht Bureaubeamten. Es hat damals nicht an Fachmännern gefehlt, die diese Einrichtung von vornherein als ungenügend bezeichneten und namentlich die erwünschte wissenschaftliche Pflege und Förderung der Statistik im deutschen Reiche dadurch nicht als gesichert ansahen. Es wurde svwvhl auf das geringe Maß von Selbständigkeit des neuen Amts wie auf die überaus kärgliche Ausstattung mit wisfenschciftlicheu Arbeitskräften hingewiesen. Gerade dieser Kritik gegenüber ist es von Interesse, ans die äußere Entwicklung des Amts seit 1872 einen Blick zu werfen. Sein Personal hat sich seitdem auf mehr als das füuf- nndzwanzigfache vermehrt, es besteht gegenwärtig ans einem Direktor, sechs Mit-