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Kiao-tschau
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Kiao-tschau

Mich eine That, eine That im Sinne Bismarckischer Kolonialpolitik! so hat wohl mancher ausgerufen, als die Nach­richt kam, unser ostasiatisches Geschwader unter dem Befehle des Kontreadmirals von Diederichs habe am 15. November die chinesischen Forts am Eingange der weiten Bucht von Kiao- tschciu an der Südküste der Halbinsel Schantung zur Übergabe gebracht und die deutsche Kriegsflagge an der Stelle der chinesischen Drachenfahne gehißt. Es geschah zunächst, um Genugthuung für die Ermordung zweier katholischen Missionare im Dorfe Tschang-kio-tschuang zu erzwingen, aber auch, um, wie die kaiserliche Thronrede vom 30. November hinzufügt,Sicherheit gegen die Wiederkehr ähnlicher beklagenswerter Ereignisse zu erlangen," und diese kann nicht in bloßen Versprechungen einer Regierung bestehen, die ihrer Provinzial- beamten viel weniger Herr ist, als man sich gewöhnlich vorstellt. Seitdem sind sehr ernste Vorbereitungen getroffen worden. Eine zweite Kreuzerdivision wird in den nächsten Tagen nach China in See gehen, der dieKaiserin Augusta," eines unsrer schnellsten Schiffe, schon vom Mittelmeer ans voran­geeilt ist; 1200 Mann Marineinfanterie und 200 Mann Artillerie, zum Teil aus Freiwilligen des Landheers ergänzt, werden sich um dieselbe Zeit auf zwei schnellen Dampfern des Norddeutschen Llohds dahin einschiffen, sodaß Mitte Februar 1898 gegen 4500 Mann mit acht Kriegsschiffen dort vereinigt sein werden, die stärkste Machtentfaltung, die Deutschland jemals in so entlegnen Gewässern gewagt hat, und an der Bucht von Kiao-tschau wird schon ein Barackenlager und ein Barackenlazaret hergestellt. Besonders wichtig aber ist. daß der Kontreadmiral Prinz Heinrich als Befehlhaber der zweiten Division an Bord des PanzerkreuzersDeutschland" nach China geht. Die bewegten Worte, mit denen der Kaiser nach dem Schlüsse der Thronrede den Reichstag darauf

Grcnzbotcn IV 1897 W