Beitrag 
Neue Romane
Seite
492
Einzelbild herunterladen
 

492

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Lore Fay dient als Zofe im Hause des Rats und hat dort viel zu erdulden. Sie ist von guter Herkunft, aber ihr Vater hat einen juristisch koustrnirten Hochverrat mit dem Kopfe gebüßt, und nun ist sie selbst vvgelfrei. Wie sie wegen angeblich ehrlosen Wandels von der patentirten ehrenhaften Gesellschaft geächtet wird, aufs Spinnhaus kommt, Kirchenbuße thut und gerade auf den Pranger ins Halscisen soll, als der Abgesandte der Königin Anna uach be­endigter Audienz eben vom Schlosse her über den Markt sprengt, das Mädchen befreit, das bald darauf Lady Fitzroy wird, das alles ist vorzüglich geschildert, sodaß wir den Eindruck eines wirklichen Ereignisfes bekommen. Hat die Ver­fasserin etwa in der That die Hauptsache einer historischen Quelle entnommen, so bleibt ihr immer noch das wohlgemessene Verdienst der stilgerechten Ein­kleidung.

Schließlich weisen wir noch auf einen Band Neue Novellen vou Hans Arnold hin (4. Auflage; Stuttgart, Bonz u. Comp.). Wir haben unsern Lesern den beliebten Erzähler schon öfter vorgeführt. Die große Gewandtheit seines gefälligen und liebenswürdigen Talents wird auch durch jede dieser fünf kleinen Geschichten bekundet. Vier sind konnscher Art. Uns sind die ernstern lieber. Unter diesen erweckt nurSchach der Königin" ein tieferes Interesse: ein kleines Erlebnis in einem vornehmen Hause, das mit feinem Sinn und vertrauter Kenntnis des Dehors höchst unterhaltend, man möchte sagen delikat angerichtet wird. Sollten kritisch gestimmte Leser, die nicht in gräflichen Häusern zu Verkehren Pflegen, hierbei fragen: War das möglich? so wüßten wir ihnen auch keine bestimmte Auskunft zu geben, sondern müßten sie bitten, mit ihrer Nachfrage weiter zu gehen, vielleicht ins Land der Dichter.

Der Personcilkredit des ländlichen Kleingrundbesitzes. Unter dieser Überschrift hat Hcms Glagau in Nr. 38 der Grenzboten die Ergebnisse der Unter­suchungen, die der Verein für Sozicilpolitik über diesen Gegenstand angestellt hat, gerade in dem Augenblick besprochen, wo der Verein in Köln mündlich über die Sache verhandelte. Wer an jenen Verhandlungen teilnahm, mußte aber sofort erkennen, daß Glcigau die Untcrsnchungsergebnissc nicht mit der nötigen Sachlichkeit besprochen hat, denn die Verhandlungen sowohl als auch die gründliche Durchsicht der beiden Bände, die der Verein voriges Jahr veröffentlicht hat, ergeben ein ganz andres Bild, als man es bei Glagau findet.

Richtig ist, daß man in den Berichten eine gewisse Bevorzngnng der ländlichen Darlehnskassen erkennt die aber keineswegs nnr Raiffeisenkassen sind, sondern vielfach nach Schulze-Dclitzschs Grundsätzen errichtet wurden nnd arbeiten und sich nun ländlichen und landwirtschaftlichen Verhältnissen angepaßt haben, was bei städtischen Vorschnßvereinen, die zwar anch viele Landwirte zn Mit-

Maßgebliches und Unmaßgebliches