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Podbielsli aber sollte sich vor allen Dingen hüten, ohne zwingenden Grnnd an Einrichtnngen zu rütteln, die sich seit Jahrzehnten bewährt haben. Auch so wird es ihm nicht an Gelegenheit fehlen, Zöpfe abzuschneiden, Ungerechtigkeiten zu beseitigen und sogar namhafte Ersparnisse zu machen, ohne daß der Staat den geringsten Schaden erleidet.
Die höhere Mädchenschule
er große Unterschied zwischen moderner und alter Bildung ist nicht so sehr in dem Gegensatz zwischen humanistischer und Neal- bildung zu finden, als vielmehr in dem Umstände, daß das Ideal einer einheitlichen, alle Zweige des Wissenswerten umfassenden Bildung mehr und mehr schwindet- Mit dem ungeheuern Anwachsen der Summe des Erkannten wächst auch in dem Einzelnen das Gefühl seiner Ohnmacht diesen? Reichtum gegenüber. Wie der arme Derwisch, dem der Zauberstein die Schatzkammern der Erde geöffnet hat, so steht der moderne Mensch vor einer Märchenpracht, die er niemals sein nennen kann; er füllt seine Taschen mit ein paar armseligen Goldstücken und verläßt das Zauberreich mit dem Bewußtsein, das Meiste und das Beste zurückgelassen zu haben. Wenn uns nicht eine neue Erfindung zu Hilfe kommt, die die Aufnahmefähigkeit unsrer Gehirne verstärkt, müssen wir bekennen, daß der einzelne Mensch nicht imstande ist, mit dem Bildungsgänge der gesamten Menschheit Schritt zu halten.
Zu dieser Thatsache müssen wir Stellung nehmen, wenn uns nicht unser Reichtum zum Unsegcn werden soll, wenn nicht an die Stelle der höchsten Geistesbliite Verflachung und Zersplitterung treten sollen. Die Elementarbildung wächst unaufhaltsam, nicht nur in die Breite, sondern auch in die Höhe. Sie durchdringt allmählich alle Volksschichten; es ist möglich, sogar wahrscheinlich, daß sie einst bis zu der Stufe der jetzigen höhern Schulbildung hinaufsteigen wird. Wenigstens schwebt das den Edelsten der Nation als Ziel der modernen Bildung vor. Nimmermehr dürfen wir nun aber das Herankommen dieses Zeitpunktes dadurch beschleunigen, daß wir von den Forderungen ablassen, die wir an die höhere Bildung stellen. Die führenden Stände sollen sich nicht hochmütig abschließen; aber sie sollen immer vorangehen. So nur können sie ihre Aufgabe als Erzieher des Volkes erfüllen. Aus diesem Grunde kaun und
Grenzb'oten IV 1897 40