Beitrag 
Ein dramatischer Konflikt
Seite
619
Einzelbild herunterladen
 

Reserve- und Landwehroffiziere

619

nicht erschöpfend. Bisher ist es nicht gelungen, eine Theorie des Dramas von einem einheitlichen Gesichtspunkt aus darzustellen. Vom Konfliktsbegrch aus ließe sich das vielleicht erreichen. Ist doch von ihm alles abzuleiten, was sich unter dem gemeinsamen Begriff derinnern Forin" zusammenfassen laßt: der Begriff der dramatischen Handlung, das Gesetz von der Einheit der Handlung, die'Entwicklung der Handlung, der Begriff des Tragische» und des Komischen und vieles andre. Dazu käme dann als zweiter Teil die Behandlung der äußern Form," die vom ^audlungsbegriff. also mittelbar auch vom Kvnflikts- begriff auszugehen hätte. Für einen künftigen Theoretiker des Dramas Ware das gewiß eine lohnende Aufgabe und wen» sie gelänge auch der beste Prüfstein für die Nichtigkeit dieser Ausführungen.

Reserve- und Landrvehroffiziere

er Aufsatz unter dieser Aufschrift in Nr. 34 der Grenzbotcn ver­anlaßt mich zu einer Erwiderung, damit nicht ferner stehende Kreise von der Armee und ihrer Erziehung durch die Berufs­offiziere falsche Ansichten erhalten. Ich habe eine Frontdienstzcit von mehr als dreißig Jahren hinter mir, sodaß ich mir wohl ein Urteil erlauben darf. Ich beschränke mich darauf, die den aktiven Offizieren gemachten Vorwürfe zurückzuweisen.

Der heutige Dienstbetrieb bei der Truppe ist so eingehend, Wechselreich und anregend, daß trotz der langen Frieoenszeit keine Zeit zum Einschlafen bleibt. Der Verfasser des angeführten Aufsatzes hat wohl noch die Jahre nach den Befreiungskriegen im Auge. Außerdem bringt eine militärische Übung in die lange Vorbereituugszeit zum Zivilberuf nur eine anregende Abwechslung. Das ist mir wenigstens von vielen bestätigt worden.

Der aktive Offizier darf, wie jeder cmdre Stand und Beruf, das Recht für sich in Anspruch nehmen, die ihm zusagende Gesellschaft zu wählen. Diese M ^ zunächst in dem Offizierkorps des Truppenteils, zu dem er gehört, ^n öffentlichen Orten muß er sehr vorsichtig und zurückhaltend in seinem Be­nehmen und in seinen Äußerungen sein, da die Uniform überall und namentlich Kon ihren Feinden beobachtet wird. Als Beweis hierfür können die in dem angeführten Aufsatz verwerteten, angeblich von aktiven Offizieren gethanen Äußerungen gelten, die offenbar aus dem Zusammenhange gerissen sind. Zurückhaltung braucht nicht notwendigerweise Gleichgiltigkeit allen nicht mili­tärischen Gegenstünden gegenüber zu sein.

^ In den Offizierspeiseanstalten sind die Offiziere des Beurlaubtenstandes stets gern gesehene Gäste, weuu sie es verstehen, sich beliebt zu machen, d. h. wenn sie gute Formen und Sinn für Kameradschaft mitbringen. Die Herreu müsseu eben ihren Zivilbcruf mit den damit verbundnen Ansichten und