Beitrag 
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Seite
522
Einzelbild herunterladen
 

522

Litteratur

Politiker erscheinen, wie wenig nationale Vorteile die Deutschen für ihre politischen und Knlturdienste zu erwerben gewußt, mit wie wenig Erfolg sie selbst der an­schwellenden Flut des Nativismns entgegenzutreten vermocht haben. Hier liegen die Aufgaben der Zukunft des Deutschtums in Nordamerika, zu deren Losung, wir wiederholen es, die historische Forschung beitragen kann und muß.

Litteratur

Eiue Sozialphilosophie. Dr. Ludwig Stein, Professor der Philosophie an der Universität Bern, hat eine Reihe von Vorlesungenüber Sozialphilosophie und ihre Geschichte" unter dem Titel Die soziale Frage im Lichte der Philosophie herausgegeben (Stuttgart, Ferdinand Enke, 1397). Das dicke Buch (791 Seiten) ist eine bedeutende Erscheinung, nicht wegen des Berges von Gelehr­samkeit, der darin aufgetürmt ist ohne eiue gnuzc Bibliothek hineinzuarbeiten, machen nun eiumal uusre Professoren kein Bnch mehr fertig, was aber mehr ein ruhmvolles Zeugnis für ihren Riesenfleiß und ihre Gewissenhaftigkeit als eiu Vor­teil für die Leser ist, sondern weil der Verfasser darin eine geschlossene Welt- ausicht entwickelt, der gegenüber man, zustimmend oder ablehnend, Stellung nehmen kann. Wir wollen es versuchen, ihre Umrisse zu zeichnen, und lasseu uns auf eine .Kritik, da sie zu weit führen würde, nicht ein.

Den Inhalt der Sozialphilosvphie, die nichts andres ist als die Philosophie überhaupt vom Standpunkte uusrer heutigen Erkenntnis, bilden die Formen nnd Bedingungen des menschlicheu Zusammenlebens nnd Zusammenwirkens,- die Methode der Untersuchung ist vou der im Reiche der Wissenschaft heute anerkannten Ent- wicklnngslchre zu entlehnen. Diese Methode fordert, daß der Mensch uud die menschliche Gesellschaft als reine Naturerzengnisse angesehen werden, und der Geist in die Kausalreihc eingefügt werde. Aber die Kausalität schließt deu Endzweck nicht aus, vielmehr wird die Welt von ihrerimmanenten Teleologie" beherrscht. Zu untersuchen und darzustellen sind also: der Ursprung alles menschlicheu Gemein­schaftslebens, dergeschichtliche Werdegang der sozialen Organismen," der gegen­wärtige Zustand der Gesellschaft, woraus sich die Aufgaben der Gegenwart ergeben. Eingefügt wird noch eine Geschichte der Sozinlphilosophie.

Von den Formen des Zusammeulebeus sind die einen relativ stabil; es sind das: Familie, Eigentum, Gesellschaft uud Staat, die andern: Sprache, Rechl, Religion, Technik, Kunst, Moral, Philosophie nennt Stein labil. (Hier können wir doch eine kritische Bemerkung nicht unterdrücken; der Familie und dem Staate kann man nicht Sprache, Religion und Techuik, sondern mir Nation, Kirche und Zunft gleichordnen.) Die Untersuchung der Familie kommt zu dem Ergebnis:Hat sich die Einehe, rein als natürlicher Evolutionsprozcß ssoll wohl heißen, als Er­zeugnis des Evolutiousprozesses^ der Familie betrachtet, als gestaltveredelnd und rassenhcbend erwiesen, dann hat sie dem Hentclebenden nicht bloß darum als recht­lich unantastbar zu gelten, weil Staat, Kirche und Moral sie fordern, sondern zu-