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Evangelisch - sozial
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Evangelisch-sozial

ie Pflicht der Einzelnen so hatte ich einen kleinen Aufsatz überschrieben, den die Grenzboten in Heft 4 dieses Jahrgangs gebracht haben. Ob viele Grenzbvtenleser diese unzünftigen Ge­danken gelesen haben? Wer so altmodische Rezepte wie die Pflicht der Einzelnen vor modernen Leuten aufwärmt, der darf sich nicht wundern, wenn er nngelesen bleibt. Und doch ist ohne das alte Rezept keine rechte Hilfe in unsern sozialen Nöten denkbar, doch bleibt ohne das Pflichtgefühl der Einzelnen alles Reden und Schreiben, Tagen und Streiten ein Dreschen leeren Strohs, vergeudete Zeit, wo die Not auf die Nägel brennt. Das ist mir aus den Verhandlungen des nunmehrachten" Evangelisch-sozialen Kongresses wieder klar geworden, ja ich meine, das war das einzige, jedenfalls das einzig evangelisch-soziale Ergebnis des Kongresses, und zwar ein wertvolles, durch und durch gesundes, natürliches, die besten Heilwirkungen verheißendes Ergebnis, mag es immerhin vorläufig von der Zunft nicht beachtet oder totgeschwiegen werden.

Ein evangelisch-soziales Ergebnis des Kongresses finde ich natürlich nicht in der Jeremiade Oldenbergs über Deutschland als Industriestaat. Vielleicht war die Zuhörerschaft ganz dazu angethan, die moderne EleudMalerei, wie sie der junge Professor der preußischen Staatswisscnschaft virtuos handhabt, auf sich wirken zu lassen; aber mit den Zwecken und Zielen evangelisch-sozialer Be­strebungen, man mag sie so weit fassen, wie man will, hatten der Vortrag und die Debatte über ihn nichts zu thun. Es soll deshalb hier auch nicht weiter darauf eingegangen werden; es wird sich wohl noch Gelegenheit finden, solche negative Leistungen von Professoren der Staatsweisheit dein Positiven Inhalt der Wirtschafts- und Sozialpolitik gegenüber zu würdigen. Grmzboten III 1897 ^,