Litteratur
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treten sind, der wcir imstande, sich als akademischen Erzieher unsers Staatsdienernachwuchses aufznthuu, weun ihm nur der Segen irgend eines Machthabers der herrschenden Schule nicht fehlte. Jede Rücksicht auf den praktischen Zweck der Lehrthätigkeit schien grundsätzlich verpönt. Diesen Unsinn sollte man doch wirklich nicht länger mit alten Statuten nnd Privilegien der Fakultäten zu entschuldigen suchen. Nur theoretisch und praktisch hinreichend vorgebildete Männer sollte der Staat mit den zur Zeit für ihu wichtigsten Lehrstühlen betrauen. Aber davon scheint man in Prenßen noch weit entfernt zu sein. Wenigsten die neuesten Leistungen auf diesem Gebiet lassen durchaus den nötigen Ernst vermissen, nach beiden Seiten hin, nach der wissenschaftlichen wie uach der praktischen.
Litteratur
Sozialpolitische Schriften. Im ersten Hefte des zehnten Bandes des sehr reichhaltigen Brannschen Archivs für soziale Gesetzgebung und Statistik (Berlin, bei Carl Hcymann) finden wir einen Aufsatz: Ideale der Sozialpolitik von Weruer Sombart, der nichts geringeres als die wisfenschaftliche Umgrenzung nnd Begründung dieser ueueu Wissenschaft leisten will. Daß sie vorläufig uoch keine Wissenschaft sondern nur eiuc planlos aufgehäufte Masfe von Erfahrungssätzen. Wünschcu, Forderungen nnd Vorschlägen ist. läßt sich ja nicht bestreiten. Des Verfassers Entwurf wird Epoche machen; wir stizziren ihn, ohne ihn zu wtisiren. Die Politik ist teils nationale teils soziale; jene hat es mit dem Auslande, diese mit der Regelung der innern Verhältnisse zu thun. Die innerpolitischen Maßnahmen beziehen sich entweder aus das Bestehen und Vergehen eines bestimmten Wirtschaftssystems und der ihm entsprechenden Klasse (Junkertum nnd Bauernschaft, Kleinbürgertum, Großbürgertum, Arbeiterschaft) oder nur ans das Wohl und Wehe einzelner Wirtschaftssnbjekte. Maßregeln der ersten Art sind z. B. Bauernbefreiung, Handelsverträge, Börsenreform, Befähigungsnachweis, Arbeiterschutz; Maßregeln der zweiten Art: die Armenpolitik und viele Zweige der Finanzpolitik, z. B. die Ein- kommensteucrpolitik, die nur die ganz bedeutungslose Unterscheidung von Reich nnd Arm kennt, auf den Unterschied zwischen den Trägern der verschiednen Wirtschaftssysteme aber keine Rücksicht nimmt. Nur die Maßregeln der ersten Art bilden die eigentliche Sozialpolitik, die der zweiten könnten Personalpolitik genannt werden. Die Ideale der Sozialpolitik dürfen nun nicht ans einem dem Wirtschaftsleben fremden Gebiete, etwa aus der Religion, oder der Moral, oder der Rnsscnhygicne geholt, sondern müssen ihm selbst entnommen werden. Ihrem oben angedeuteten Inhalte nach muß die Sozialpolitik Klasscnpolitik sein, und der Sozialpolitiker hat zn fragen: Welches Wirtschaftssystem, welche soziale Klasse soll begünstigt werden? Die Antwort lcmtet: „Eine gesunde Sozialpolitik muß sich die thunlichste Unterstützung der den wirtschaftlichen Fortschritt reprttsentirenden sozialen Klasse znr Aufgabe mache», weil nur dadurch ihr Ideal: die höchste Entfaltung der Produktiven Kräfte verwirklicht werden kann, dessen Verwirklichung aber im Interesse des Grenzboten III 1897 M