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Die belgische Frage
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Die belgische Frage

er geharnischte Protest, den der vlämische Volksrat gegen die Bestrebungen des Alldeutschen Verbandes geschleudert hat, konnte nur den überraschen, der mit den Verhältnissen in Belgien nicht vertraut ist. Namentlich die Herren vom Alldeutschen Verband scheinen sich in der angenehmen Hoffnung gewiegt zu haben, auf ihren Kommandoruf würde das ganze vlümische Volk unter begeistertem Hurra­geschrei die Einverleibung in das Reich fordern. Um so unangenehmer war die Erkenntnis, daß der berüchtigte deutsche Doktrinarismus, der glaubt, lebendige Dinge nach einem abstrakten Maßstabe messen zu können, auch diesmal wieder eine Niederlage erlitten hatte. MitHeilo Heil!" und altertümlicher Sprache kann man keine Politik machen, mit der heiligen Philologie kann man keine Völkerbewegung in Gang bringen, und die Berufung auf dasheilige römische Reich deutscher Nation" gehört zu denollen Kamellen." Deutsche Professoren­ideen verbunden mit preußischem Unterofsizierston mögen vielleicht noch den heutigen Reichsbewohnern imponiren, im Auslande finden sie nur spöttisches Achselzucken. Die Vlamlünder fühlen sich uicht mehr als Deutsche, und man thut unklug, ihnen, gestützt auf ihre Abkunft, Ansichten und Wünsche zuzumuten, die sie gar nicht haben können. Es ist der Wille, der in letzter Hinsicht eine Nationalität bildet. Alle Hinweise auf gemeinsame Abstammung, die scharf­sinnigsten philologischen Untersuchungen, die gründlichsten geschichtlichen Nach­weise sind machtlos gegen den klar ausgesprochen Willen. Die Angelsachsen waren zweifellos Deutsche. Aber schon zu König Älfreds Zeiten wären sie sicher sehr verwundert gewesen, wenn man daraus irgend welche Ansprüche hergeleitet hätte, die gegen ihre Interessen gewesen wären. Und die Nord­amerikaner würden ähnliche Zumutungen der Engländer, deren Sprache sie

Grenzboten III 18S7 LI