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Vom Neudarwinismus :
(Schluß)
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Religion und Geschichte

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Gattung könnte er gar nicht da sein. Aber diese hat keinen andern Zweck, als menschliche Persönlichkeiten zn schaffen; beim Menschen ist die Gattung nur um des einzelnen willen da, und es wäre Frevel, den Satz umkehren zu wollen. Daher muß zwar das Menschengeschlecht, solange der Zweck seines Erden­daseins noch nicht erfüllt ist, durch Zeugung erhalten werden, aber nicht jeder einzelne ist genötigt oder verpflichtet, zur Erhaltung und Vermehrung der Gattung beizutragen, und lassen sich die Familiensorgen mit dem Beruf eines Mannes schlecht oder gar nicht vereinigen, so begeht er kein Unrecht, wenn er sich ihrer entschlägt. Ist es doch schon eine rohe und dürftige Auffassung der Geschlechtlichkeit selbst, auch beim Menschen in ihr nichts als die Vor­richtung für die Fortpflanzung zu sehen, da sie vielmehr eine der wichtigsten Wurzeln, wo nicht die Hauptwurzel der sittlichen Verhältnisse, der ästhetischen Empfindungen, der schönen Künste, der gewerblichen Thätigkeit, der sozialen Gliederung, der wissenschaftlichen Forschung und der Unsterblichkeitsahnungen ist; haben doch den griechischen Philosophen die ^</^»6t?.^ 0^«^/« und der "S^L 0^«,^c>L den Blick ins ewige Reich vollkommner Geister eröffnet, und Jahrtausende vor der Entdeckung der beiden entgegengesetzten Elektrizitäten, der Pole des Magnets, der Anziehung zwischen Vasen und Säuren hat sich den sinnenden Völkern die Polarität des Weltalls in dem Bilde männlicher und weiblicher Götter erschlossen.

Religion und Geschichte

von Martin Rade (in Frankfurt a. m.)

ebendige Religion erhebt einen ungeheuern Herrschaftsansprnch. Sie will herrschen über Kopf, Herz und Gewissen, alles Ver­halten uud alle Verhältnisse will sie beeinflussen, alle Güter nach ihrem Wert oder Unwert bestimmen, nichts ist, nichts regt sich in der Natur- und Geisteswelt, an das sie nicht die Forderung richtete, daß es ihr diene. Dieser Herrschaftsanspruch gehört zum Wesen der Religion.

So erhebt sie ihn auch im modernen Leben. Man kann ihn ablehnen, verhöhnen, ignoriren, aber der Anspruch bleibt.

Uud zwar ist er in verschiedueu Zeiten in den verschiedensten Formen erhoben worden. Die Religion hat geherrscht in der Form der Kirche und Priesterschaft, des Lehrgesetzes oder der Theologie, des Kultus und der