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Midaskinder :
(Fortsetzung)
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

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Viktor sprang halb auf, alle Blicke richteten sich auf ihn, aber er setzte sich schnell und sah den Oberpfnrrer gespannt an.

Aber ehe dieser sagen konnte, was er etwa noch zu sagen hatte, rief Fabricius aus! Die Geschichte dieser Brosche keime ich genau. Ist sie einem der Herren etwa bekannt? Nein! Ich dachte es mir. Mir hat sie seine Mutter erzählt, und er hat sie mir bestätigt. Ich denke, mein Freund wird nichts dagegen haben, wenn ich sie erzähle. Statt des Vortrags, der für heute fällig wäre Fabrieius sah den Oberpräzcptvr an, nnd dieser bot ihm für den leisen Stich die Dose an, haben wir zwei und machen damit auf unsre Gäste eineu guten Eindruck. Viktor sah verlegeil drein, er nahm an, der feine, klug aussehende Rheinländer sei ihm schon auf der Spur. Aber das war nur sein böses Gewissen!

(Fortsetzung folat)

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Übergangszustände. An sich ist die Redensart, mit der man sich oft über allerlei UnVollkommenheiten unsrer Zustände tröstet: unsre Zeit ist eben eine Übergangszeit, recht thöricht, denn andre als Übergangszeiten giebt es überhaupt uicht. Schon der große Augnstinus scmd mit allem Grübeln nichts andres heraus, als daß die Gegenwart ein ganz unfaßbares Diug und nichts andres sei, als der Übergang einer Zukunft in eine Vergangenheit. Darum wird das Morgen zwar anders sein als das Gestern, aber daraus folgt uoch uicht, daß es besser sein müsse, nnd gauz gewiß wird es so wenig etwas bleibendes sein wie das Hente, sondern ebenso wie dieses mit dem unabänderlichen Schritte des Zeitnblaufs ins Gestern übergehen. Alles Lebendige ist in steter Äuderung begriffen, da ja leben gar nichts andres heißt als sich nach bestimmten Gesetzen verändern. Nur zeigen die verschiedneu Seiten des Völkerlebeus verschiedne Grade der Veränderlichkeit. Das wandelbarste sind bei den historischen Völkern nämlich, die Naturvölker und die erstarrten Nationen haben eben kein Volksleben, sonder» vegetiren bloß, das wandelbarste sind die wissenschaftlichen und sonstigen Meinungen und die Staaten; die Forschung bleibt nicht ein Jahr lang auf derselben Stelle, und Staaten, deren Verfassungen zehn Jahre und dereu Grenzen fünfzig Jahre unver­ändert bleiben, dürften zu den Seltenheiten gehören. Am unveränderlichsten waren bis in den Anfang unsers Jahrhunderts die Prodnktionsfvrmcn. Der Bauer und sei» Pflug haben sich von den Zeiten der sagenhafteu römischen Könige bis zn der Einführung des Dampfpflugs in unsrer Zeit nur sehr weuig geändert, und das­selbe ist vom Schuster und vom Schneider, vom Weber und vom Gerber, vom Schmied uud vom Tischler zu sagen. Die Lebensverhältnisse dieser Hanptprodu- zenten haben zwar im Altertum und Mittelalter mannichfache Wechsel erlitten; der Baner ist abwechselnd Sklave, Höriger uud Freier gewesen, der Handwerker war ebenfalls manchmal ein Sklave, manchmal ein Höriger, nnd er war im Mittel­alter Lohnwerker, wie die von Bücher eingeführte Bezeichnung lautet, ehe er mit eignem Material uud für deu Markt schaffte. Aber die Grundform beider Berufs- arteu blieb doch bestehen, und man geriet zu keiner Zeit in Verlegenheit, wenn man angeben sollte, was ein Bauer, was ein Hcmdwerker sei. Da mm auf dem Beruf das Dasein des zivilisirtcn Menschen beruht, so ist ein Zustand unerträglich, Grenzbotcn II 1897 32