Skizzen aus unserm heutigen Volksleben
von Fritz Anders Neue Folge
5. Was der Herr Aonsistorialrat für Erfahrungen machte
er Herr Konsistorialrat hatte den Nest seines Aktenhcmfens, der zu erledigen war, mit nach Hause genvmmen und eben das letzte Stück des Nestes abgearbeitet. Nun lehnte er sich mit aufseufzender Befriedigung iu seinem Stuhle zurück, faltete die Hände über seiner rundlichen Vorderseite und überdachte das letzte Jahrzehnt seiner Amtsthätigkeit. Er konnte nicht sagen, daß diese Amtsthätigkeit durchaus erfreulich gewesen sei. Es hatte doch gnr zu viel totes Schreibwerk gegeben, das thätige Leben, die Gemeinde, der er hätte dienen können, hatte gefehlt. Aber er konnte sich mit Genngthuuug das eine sagen, daß er sich durch die Beschäftigung mit trocknen Formeu sein warmes Herz nicht hatte nehmen lassen. Wie manche Handreichung hatte er den Amtsbrüdern, besonders denen auf dem Lande, die gar zu leicht in ihren Anschauungen auf die Stufe des sie umgebeudeu Lebens herabgezogen werden, gethan, um sie auf der Höhe ihrer Aufgabe zu erhalten! Wie manchen sorgenden oder klagenden Amtsbruder hatte er durch ein gutes Wort gestärkt und aufgerichtet!
Er hatte es auch cbeu in diesem letzten Schriftstücke gethan. Er nahm es nochmals in die Hand uud überlas, was er geschrieben hatte. Es war die Antwort auf eine Eingabe der Ephorie Hagelingen, in der ausgesprochen war, daß die Schwierigkeiten zwischen Gemeinde nud Pfarramt ihren Gruud meist darin hcitteu, daß die Pfarrer in ihrem Einkommen von den Gemeinden abhingen. Die Pfarrer müßten selbständig gestellt werden; sie müßteu ihren Gehalt ans einer kirchliche» Kasse beziehen; besonders nötig sei es, die Zehnten und Naturalabgaben abzulösen, da diese Art der Einnahme des geistlichen Standes nicht würdig sei. Der Herr Konsistorialrat hatte dieser Auffassung nicht zustimmen können. Er hatte geglaubt, daß durch Geben uud Nehmen ein segensreiches Band zwischen Geistlichem und Gemeinde geknüpft werde, das man nnr zum Schaden beider Teile auflösen würde. Das Pfarramt bietet, so hatte er geschrieben, der Gemeinde das Brot des Lebens, und es empfängt vou der Gemeinde das Brot des Leibes. Dieser Austausch fördert auf bcideu Seite» das Gefühl der Zusammengehörigkeit uud des gegenseitige» Vertrauens. Das, Was das Gemeindeglied darreicht, ist ein Opfer a» heiliger Stätte, es muß als ein solches angesehen und entgegengenommen werden, uämlich mit Demut uud Dauk. Es Würde eiue Versündigung an dem frommen Sinne des Landmanns sein, wenn man seine Garbe verschmähen und das gern gebrachte Opfer