Beitrag 
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Seite
499
Einzelbild herunterladen
 

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Geplänkel. Die Faschingwoche ist, was das Jnuerpolitische anlangt, nicht weniger schläfrig verlaufen, als die vorhergehende, aber sie hat doch durch einige Debatten und Vorkommnisse an die Strömungen erinnert, die auf dem Untergründe unsers Volkslebens neben und wider einander laufen, und die wohl noch einmal einen stärkern Wellenschlag erzeugen könnten. So z. B. haben die Agrarier und die Zünftler, während der Reichstag Faschingsferien hielt, im preußischen Landtage Erörterungen vom Zanne gebrochen, die in den Reichstag gehören, offenbar nur, um die Negierung fühlen zu lassen, daß sie keine Ruhe haben kann bei Tag und Nacht nnd nichts, was ihr Vergnügcu macht, so lange sie nicht in allen Stückcu den willigen nnd gehorsamen Diener dieser Herren spielt. In der Beantwortung der Interpellation Fetisch und Genossen sprach der Handelsminister Brefeld um mit einem demokratischen Blatte zu reden ganz wie ein moderner Mensch- Gegen die natürliche Entwicklung könne die Regierung nichts ausrichten; sie könne weder die Großindustrie vernichten, noch etwas daran ändern, daß sich auch die Lebensbedingungen der noch lebensfähigen Zweige des Handwerks geändert hätten, indem z. B. der Handwerker seine Rohstoffe aus fernen Ländern beziehe und sich auf erweiterte Absatzgebiete einrichten müsse; den Nöten dieser noch lebensfähigen Zweige abzuhelfen, sei die Negierung bereit, so weit sie es vermöge, aber nicht in den Zwaugsvrgauisatioum bestehe die Abhilfe diese seien nnr der Rahmen, worin sich die Nettungsarbeit zu bewegen habe, sondern in der Unterstützung der von den Handwerkern zn gründenden Kredit-, Einkaufs- und Absatzgenossen­schaften mit Geldmitteln und in der verbesserten technischen Ausbildung der Hand­werker. Den Befähignngsnachweis auch sür solche Gewerbe zu verlangen, wo es sich nicht, wie bei den Apothekern, Ärzten, Schiffern nnd andern, um öffentliche Interessen, wie um die Gefährdung von Menschenleben handelt, sei wegen der fortwährenden Umwälzungen der Technik, die beständig die Grenzen zwischen den Gewerben verschöben, unmöglich. Die Debatte, die sich daran knüpfte, bewies, daß Konservative nnd Zentrum auf ihrem Schein bestehen bleiben; sie werden nicht eher ruhen, als bis sie den Befähigungsnachweis haben werden, den sie als ein Mittel begehren, die Zahl der Handwerker zu beschränken und die Konkurrenz zu verhindern; alles übrige ist ihnen Nebensache. Ob und wie das Mittel wirken wird, wenn sich die Negierung endlich dazu bequemt haben wird, bleibt abzuwarten. Auch in Sachen des Quebrachvholzes bekommt die Regierung nicht eher Ruhe, als bis sie sich löblich unterworfen haben wird. Es nutzt ihr nichts, daß, wie der Handelsminister zum so nnd so vielten male ausführt, die Handelsverträge keinen Zoll auf dieses Holz und auf die Extrakte daraus gestatten, daß auch uach Ablauf der Handelsverträge die Erschweruug der Einfuhr dieser Stoffe durch einen hohen Zoll bedenklich sein würde, weil dadurch die Lederindustrie geschädigt werden würde, die eiuen Überschuß der Ausfuhr über die Einfuhr von hundert Millionen erzielt, wahrend die gcmze deutsche Schälwaldproduktion bloß acht Millionen wert ist. Es nützt ihr auch nichts, daß sogar der Oberlandforstmeister Donner, dem doch gewiß der deutsche Eichenwald ans Herz gewachsen ist (ein Schälwald ist allerdings etwas andres als ein Wald alter Eichen), daß auch dieser der Regierung bcitritt; er weist nach, daß der Preis der Eichenlohe schon hernntergegangen ist, ehe ihr das Quebrachoholz Konkurrenz machte, uud daß die Rentabilität des Schälwaldes nnr durch verbesserte Bewirtschaftung erhöht werden kann. Alles das nützt nichts uud