Beitrag 
John Gabriel Borkman
Seite
347
Einzelbild herunterladen
 

John Gabriel Vorkman

s ist eine herrliche Zeit, in der wir lebe»! Kaum sind fünfund­zwanzig Jahre seit einem beispiellosen Aufschwung des deutschen Bolkstums, einer starken Zusammenfassung aller guten Eigen­schaften des deutscheu Vvlkscharakters verflossen, kaum ist die Begeisterung, die die erste Erinnerungsfeier an jene große Zeit neu entflammt hatte, der besonnenen Arbeit oder dem weihelvsen Tagewerk gewichen, so tracht es schon in allen Fugen des stolzen Baues, so platzen alle Nahte des neuen Kleides. Wir haben zwar einen Gott, wenn auch keinen ganz unbestrittnen, ein Reich und ein Recht; aber damit sind auch die Sinnbilder der Einigkeit erschöpft. Auf allen übrigen Gebieten des geistigen Lebens und der gesellschaftlichen Kultur herrscht wieder eiue Auslciudssucht, ciu Wettkriechen vor allem Fremdländischen, daß man sich zweifelnd fragt, ob jemals eine Schlacht von Sedcm geschlagen, ob jemals dieHauptstadt der Zivilisation" von deutschen Kriegern zur Übergabe gezwungen worden sei. Deutsche Gelehrte suchen mit Ängstlichkeit, ihren französischen Kollegen die Priorität irgend einer wissenschaft­lichen Entdeckung zu wahren, deutsche Maler sehen das höchste Ziel ihres Ehr­geizes darin, so zn malen, daß ihre Arbeiten mit denen ihrer französischen Kunstgenvssen verwechselt werden, und deutsche Museumsdirektvren beeilen sich, ihre Sammlungen mit Werken französischer Künstler zu füllen- Die Regierung der französischen Republik ist ebenso dankbar wie die Napoleons III. Sie wirft immer häufiger Kreuze der Ehrenlegion nach Deutschland, und man hat noch niemals gehört, daß einer der also Geehrten das Kreuz mit dem roten Band abgelehnt habe, während französische Gelehrte viel höhere preußische Orden mit sittlichein Pathos zurückgewiesen haben.

Neben dem Kultus des Franzvsentums, der einem großen Teil unsrer Lands­leute im Blute zu stecken scheint, ist seit etwa fünfzehn Jahren die Vergötterung der nordischen, d. h. der norwegischen nnd dänischen Litteratur üppig ins Kraut geschossen. Es giebt sogar schon Wortführer der Kritik und litterarische Cliquen, die mit schnöder Verachtung auf die moderne französische Litteratur, nicht bloß auf die schon bei Lebzeiten begrabnen Augier, Dumas und Sardou, sondern auch ciuf die frechen Zoten der Herren Guy de Maupassant, Mareel Prevost,