Unser Gffizierersatz
nter dieser Überschrift ist kürzlich in den Grenzboten ein Aufsatz mit treffenden Bemerkungen erschienen. Er hat ohne Zweifel einen aktiven oder aktiv gewesenen Offizier zum Verfasser, und damit hängen seine Vorzüge wie seine Mängel zusammen. Vielleicht ist es von Wert, nun auch jemand über die Sache zu hören, der nicht dein aktiven Offizierstaude angehört.
Unsre Offiziere rekrutireu sich heute von zwei Seiten her, aus der Kadetten- schule und aus den Avantcigeureu. Die Kadettenschulen bilden den festen Kern, denn wie auch immer die Sache gestaltet werden mag, so sind die Erleichterungen, die die Kadettcnschnle den Eltern der Zöglinge gewährt, so bedeutend, daß man in absehbarer Zeit immer ans die volle Besetzung dieser Anstalten wird rechnen können. Von einer Vermehrung der Offiziere, die aus der Kadettenschule hervorgehen, ist aber sicherlich abzusehen; denn die Nachteile einer Erziehung ausschließlich für den Offizierstand uud ausschließlich unter Genossen, die diesem Stande zustreben, dazu nvch einer Erziehung im Internat und fern von dem Familienkreise können nur dann ausgeglichen werden, wenn die, die aus diesen Anstalten hervorgegangen sind, die Minderzahl bilden, die sich abschleifen und vervollkommnen kaun uud muß in dem Kreise der Kameraden, die ihre Erziehung im Elternhause uud unter Schulkameraden genossen haben, die den verschiedensten Lebensberufen zustreben. Welche Einseitigkeit und Beschränktheit uud welche Geringschätzung gegen alle andern Stände würden wir nnter unsern Offizieren entstehen sehen, wenn einmal die Mehrzahl aus deu Kadettenschulen — uud wären sie auch noch so musterhaft — hervorginge!
Bietet uun aber unser Avantageurwesen genügende Gewähr, das; der aus ihm hervorgehende Offizier nicht einem beschränkten Swndesbewußtscin verfalle.
Grenzbotcn 1 ISV7 20