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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

aber wenn sie sich c>ls wahrhaft erlöste mit einem ewigen Inhalt erfülle nnd damit am göttlichen Leben teilnehme, werde sie wesenhaft und lebe in jener Welt fort. Eine vergängliche Seele ist eben nichts wesenhaftes, und wenn mit dem Untergange unsers Planeten alles geistige Leben erlischt, so ist es ganz gleichartig, ob die Seelen der nntergegangnen Menschen Hnmboldtsches oder Eckensteherwissen, erhabnen oder Philistercharakter, Genie oder Tölpelhaftigkeit beherbergt haben. Tennyson singt:

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So Werden wir, obgleich Eucken das auf S. 193 abzulehnen scheint, auf die Un- stcrblichkeitsfrage als die Kernfrage der Philosophie geführt. Wenigstens die Rich­tung wollen wir andeuten, iu der uns die Lösung, soweit eine solche auf Erden möglich ist, zu liegen scheint. Die Körperwelt ist eine Znrüstuug, dazu bestimmt, die Seelen mit geistigem Inhalt zn erfüllen, weshalb eine Scheidnng des Leib­lichen und Geistigen gar nicht möglich und die griechische Ansicht von der Huma­nität als der harmonischen Einheit beider die richtige ist. Nicht abweisbar, aber im irdischen Leben nicht lösbar sind die Fragen: ob die Seele von Anfang an etwas wesenhaftcs sei oder mit wachsendem Geistesleben erst entstehe, und wie der Seele ein jenseitiges Leben werde ermöglicht werden, ob durch eine neue Leiblichkeit, worauf die christliche Auferstchungslehre hinweist, oder dadurch, daß der gewonnene geistige Inhalt die Fähigkeit erlangt, abgelöst von seinem bisherigen leiblichen Gefäß fortzubestehen.

Wo sich Eucken herabläßt, konkret zu werden, erfreut er durch gesunde An­schauungen und treffende Charakteristiken. Wir führen ein paar Beispiele nn. Entweder muß der Fortgang der Kultur das Leben immer abhängiger, ver­wickelter, seelenloser, nichtiger machen, oder es giebt eine geistige Ursprünglichkeit, die den Verlust in Gewinn verwandelt und das Leben jenem Vernichtungsprozeß entzieht" lS. 137).Nicht minder notwendig wie die Arbeit ist ein Kampf gegen die Arbeit, eine Befreiung von ihrer erdrückenden und entseelenden Macht" (S. 145). Sache der Philosophie ist es keineswegs, gegenüber dem Weltall den National- liberalen zu spielen, alles Angenehme möglichst hervorzukehren, das Unbequeme und Peinliche hingegen aus den Augen zu rücken" (S. 249). Die Religion darfnicht das Ganze des Lebens sein, sondern mnß sich bescheiden, innerhalb eines größern Ganzen zu wirken" (S. 322). Als eine wohlthätige Wirkung der modernen Kultur bezeichnet er S. 353 die Umsetzung des ungestüme» Verlangens in fruchtbare Arbeit. Aber trotz einzelner wohlthätigen Leistungen bleibe diese Knltur doch im ganzen unzulänglich, unbefriedigend und stecke voller Widersprüche.Die Empfindung schwerster Erschütterung der Knltur, ja einer Unzulänglichkeit aller bloßen Kultnr hindert uus nicht an einem selbstgefälligen Kulturdünkel. In den Opfern, die die moderne Gesellschaft dem Individuum auserlegt, wird bei diesem eine ideale Ge­sinnung und eine unbedingte Wertschätzung idealer Güter wie selbstverständlich voraus­gesetzt deuten wir nur an die Wehrpflicht mit ihren Forderungen der Tapferkeit und Ehre, aber die wissenschaftliche Gestaltung eiuer dem entsprechenden Welt­anschauung wird als eine Verirrnng abgelehnt, ja verspottet. Für eine Freiheit im Grunde des Lebens ist kein Platz, nnd wer nicht dem Determinismus huldigt, scheint hinter der Zeit zurückgeblieben, aber auf praktisch-politischem Gebiet halten wir mit aller Kraft an der Freiheit fest und verehren sie wie ein hohes Gut" (S. 371).

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