Dunkler Drang nach einem guten Rechtsweg
von Richard Goldschmidt 2
s giebt viele wohlmeinende Leute in und außerhalb der Juristenwelt, die in jeder Mitwirkung von Laien bei der Rechtspflege ein von den irregeleiteten Massen ertrotztes Zugeständnis sehen. Nicht gerade hervorragende Juristen, aber Juristen in hervorragender Stellung machen sich zum Sprachrohr dieser Anschauungen und fordern ganz offen die Beseitigung der Schmurgerichte. Sie möchten am liebsten den Laien wieder von dem Nichterstnhle entfernt sehen, und wenn sich das nicht durchführen läßt, so soll er doch auf eiueu unmaßgeblichen Einfluß bei der Rechtsprechung zurückgedrängt werden. Dazu eignet sich vorzüglich das Schöffengericht in der Zusammcusetzung von einem Berufsrichter als Vorsitzenden und zwei Laien als Beisitzern. Das wahrt den Schein, als ob der Jurist nur der uueutbehrliche Beirat wäre, wahrend in Wahrheit fein Urteil als das des Leiters der Verhandlung noch mehr als bei einem aus drei Berufsrichtern gebildeten Kvllegialgericht den Ansschlag geben muß, da die Laieu bei der Fülle des Stoffs, die auf sie einstürmt, oft gar nicht in der Lage sind, sich eine eigne Meinung zu bildeu. Jene laienfeindlichen Herren sind dcuu auch dem Schöffengericht in seiner jetzigen Gestalt viel weniger abhold, als dem Schwurgericht. Sie glauben, daß ihnen die Logik völlig zur Seite stehe, da das Recht eine Wissenschaft sei, die man sich ohne sachmüßige Ausbildung nicht aneignen könne. Wie man sich bei einem Hausbau au einen Banmeister von Fach wendet, in Krankheitsfälle» zu einem geprüften Arzte schickt, so solle mau auch den Nechtsspruch dem rechtsgelehrten Nichter überlassen. Dabei wird nuu zunächst übersehen, daß bei der Rechtsprechung ganz besonders im Strafrccht die Veweiswürdiguug die Hauptrolle spielt. Wie man sich aber aus Zeugeunussageu uud sonstigen Vorgängen die Überzeugung verschaffen kann, daß ein Angeklagter eine bestimmte That gethan oder nicht gethan habe, das wird auf keiner Universität gelehrt uud bei keiner juristischen Prüfung gefragt, darin wird ein einfacher Manu, der Kopf und Herz auf dem rechten Flecke hat, oft dem gelehrteste» Richter überlegen sein. Ob wir jemals zu einer irgendwie brauchbaren Theorie über die Beweis-