Die Großen und die Kleinen
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eiche Macht in unsrer Zeit der soziale Gedanke gewonnen hat, geht unter cmderm mich daraus hervor, daß der Gegensatz zwischen Großen und Kleinen in den Parteiprogrammen eine große Rolle spielt, daß die Gegenüberstellung der Großen und der Kleinen zu einem beliebten, viel gebrauchten Parteischlagwort geworden ist. Wer heute nicht sozial denkt und empfindet, will doch als warmherziger Sozinlpolitiker gelten. Der verhttrtetste Egoist fühlt das Bedürfnis, sich einen Tugendmautel umzuhängen. Und wie könnte er das besfer, als indem er für die umworbucu „Kleinen" einzutreten behauptet, wenu auch seine Sorge in Wahrheit den Großen gilt! Auf die Großen zu schelten und den Kleinen zu schmeicheln, ist Mode geworden. Diese Gewohnheit entspringt aber durchaus nicht immer einem wirklichen Interesse für die breiten Massen des Volkes, sondern oft nur dem Bedürfnis, die Unterstützung der Massen, die bei der Einrichtung des allgemeinen Stimmrechts unentbehrlich ist, für die Durchführung einer den Interessen des Volkes zuwiderlaufenden Politik zu erlangen.
Gewiß ist es bei vielen Politikern aufrichtig gemeint, wenn sie verlangen, daß alles zum besten der Kleinen eingerichtet werde. Auch kann man ver- schiedner Meinung darüber sein, wodurch den Kleinen am besten geholfen werde. Aber verschiedne gesetzgeberische Maßregeln der letzten Zeit waren doch so entschieden dem Volkswohl schädlich, daß ein starker Glaube dnzn gehört, sie als eine Art von sozialer Fürsorge zu betrachten. Wollten wir den Agrariern glauben, so bezwecken alle ihre Bestrebungen bloß, einen wohlthätigen Ausgleich der Vermögensverhältnisfe herbeizuführen, den Kleinen zu helfen und die Macht der Großen zu brechen. Ist von dem Kapital oder von dem Handel, dem Grenzboten IV 1896 8