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Zum siebzigsten Geburtstag Friedrich Chrysanders
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Solche Erfolge verdankt die Kunst, in erster Linie die deutsche, einem einzigen Manne, seiner Thatkraft und der Folgerichtigkeit seines Handelns. Sie genügen, den Namen Chrysanders zu erhalte». Er hat aber bei der Arbeit um Händel, gewissermaßen beiläufig, uoch eine Menge andrer bedeutender Leistungen zu Tage gefördert oder angeregt. Durch ihn kam Karl Niedel ans Schütz, auf seine Ausführungen und Bearbeitungen einzelner Werke dieses Meisters. Durch Chrysander wnrde anch Spitta zur Gesamtausgabe der Werke Heinrich Schützens veranlaßt. Anch der Bachgesellschaft hat Chrysander seinerzeit für ihre Ausgabe das lange ersehute Autograph von Bachs H-M011- Messe verschafft. Chrysander ist der Vater der heutigenDenkmäler der deutschen Tonkunst," mittelbar auch der verwandten österreichischen Publikation. Was wir au guten Neudrucken Cvupvrins, Corellis, Stradellas, des jüngern Muffat haben, alles geht auf Chrysauder zurück. Seine Aufsätze in der ge­nannten Viertcljahrsschrift, in der ehemaligen, jahrelang von ihm redigirten Allgemeinen Musikalischen Zeitung gehören zu dem Vesteu, was die musikalische Publizistik aufzuweisen hat. Goldne, wahrhaft freisinnige Worte und Wahr­heiten und ein Lessingschcr Stil schützen sie vor jedem Veralten. Möchte sie bald ein Verleger sammeln und bequemer nutzbar machen.

Bei seinem an Antike und Nennissamezeit erinnernden Unabhängigleitsdrang, bei seiner Hingebung an die eine Lebensarbeit hatte Chrysander Ämter und Stel­lungen verschmäht. Was würde er von einem Universitütskatheder aus für eine Schule gegründet haben! Doch trösten wir uns; sie wird und muß sich auch aus seinen Arbeiten bilden. Möge es dem verehrten Manne vergönnt sein, noch viele Jahre zu wirken uud sich seines Wirkens zu frenen!

Leipzig H. Rretzschmar

Evangelisch-sozial

ie bei alten politischen Parteien die Schlagwörter das dauerndste sind uud vor allem ihr Name noch lange als Schlachtruf ge­braucht wird, wenn er schon längst andre Gedanken und Pläne als die ursprünglichen deckt, so pflegt bei neu entstehenden Par­teien, so bald erst aus dem unklaren Gewoge verschiedner Ideen ^u faßlicher Name auftaucht, von Freunden wie Feinden alles mit ihm ver­bunden zu werden, was hie und da von einzelnen, bedeutenden Männern der Bewegung vertreten wird. Eine Bewegung gar, die es noch nicht oder nur teilweise zu einer politischen Parteibilduug gebracht hat, in der noch mancherlei widerstrebende Kräfte thätig sind, wird deshalb der wunderlichsten Beurteilung