Maßgebliches und Unmaßgebliches
333
Einführung des Branntweinmonopols. Die Branntweinschenken sind dort fast ausschließlich in den Händen von Jude». Der Branntwein, der dort verschenkt wird, ist meist nichts andres als mit Wasser verdünnter Spiritus, dem Zusätze gegeben sind, die das Getränk — wenn man es so nennen kann — schmackhafter machen, dabei oft sogar mit einem kleinen Znsatz von Schwefelsäure, damit es mehr in der Kehle brennt. Damit wird das Volk fort und fort vergiftet. In der Schenke wird der Bauer über seine Vermögens-, Hypotheken- und Schuldverhältnisse ausgehorcht, dort unterschreibt er seine Wechsel nnd verkauft sein Getreide, dort werden die Wuchergeschäfte gemacht, durch die er zu Grunde gerichtet wird, und von deren Raffinirtheit man in deutschen Landen keinen Begriff hat. Solche Schnapswirte sind keine berechtigten Existenzen, nnd wenu sie durch das Monopol beseitigt würden, so nützte das mehr als alle unsre Wuchergesetze. Auch hätte es die Verwaltung m der Hand, dafür zu forgen. daß dem Volke ein gesunderes Getränk geboten würde. So könnte das Monopol für Gesundheit und Moral segensreich wirken, und dabei dem Staate Millionen genug einbringen, daß er damit alle unsre dringenden Bedürfnisse befriedigen und der jetzigen Misere ein Ende machen könnte.
Es nützt! In Heft 48 der vorjährigen Grenzboten wurde Klage geführt über ..Welfcherei im Volke" und dabei ausgegangen von einem Gasthof in Boun, „der sich als Aushängeschild deu alten Ernst Moritz Arndt erkoren hat," dabei aber »cm der Vorderseite des Hauses die Aufschrift trägt: Hgts1-1i,sstMi-a.nt, Vütsr druckt. ^enÄcm. Diese Nachricht wurde von einem Studenten im „Sprcchsaal" des Bonner Generalanzeigers im Januar d. I. erwähnt, erörtert nnd beklagt und gab in dieser Form Anlaß'zu nicht weniger als zwei Dutzend weitem „Einsendungen," in denen unter andern eine Französin in ihrer Muttersprache sür deren Schönheit eintreten öu müssen glaubte, im übrigen aber hauptsächlich Studenten ihrer deutschen Gesinnung in kräftiger Weise Luft machten, während ein Wirt, der für die Fremdwörterei eintrat, gehörig „gemacht" wurde. Dieser Federkrieg hat nun den Erfolg gehabt, daß der Besitzer des Gasthauses jetzt zum Frühjahr die alte Inschrift hat entfernen und durch die deutsche „Gasthof zum Vater Arndt" ersetzen lassen. Es 'st das nicht der einzige Erfolg, der in Bonn auf diesem und auf audern Gebieten durch den immer rührigen Zweigverein des Allgemeinen deutschen Sprachvereins in letzter Zeit erreicht worden ist. Leider ist es ihm nicht gelungen, die Stadtverwaltung davon abzuhalten, eine neue Straße Kaiser-Friedrich-Straße zu uennen, obgleich er iu einer Eingabe unter Hinweis auf die in den Grcnzboten erschienenen Aufsätze Wustmanns uud Wülfings zu dieser Frage das Unschöne und Unpraktische solcher Doppelbezeichnuugen dargelegt hatte, uud obgleich schon eine
^^..nug.n uu^",. V"..' ^ däk
Friedrich-Str ße in Bonn besteht. Verschwiegen soll aber ^e nu^ w°n in derselben Sitznng sür andre uene Straßen gnte und beq» me Nmmn g - wählt, z. B. eine Straße nach dem Generaloberst von Los knrz nnd bnnd.g Loc.- Straße genannt hat.
Jndividualistisch-Auarchistisches aus dem Setzersaal Etwas abgefeimt modernes wird foeben aus Amerika eingeführt. Der Berliner Verlag von S- Fischer, das buchhändlerische Vehikel modernster Jnternatwnalüat nnd internationalster Moderne, bringt ein Buch von dem aus Schottland eingewanderten Schriststeller John Henry Mackay auf den Markt, das den unsterblichen -Iniym hat. uns zurückgebliebne Deutsche zuerst mit einer — natürlich »epochemaaenoen ^ Neuerung im Druckverfahren bekannt zu machen. Mit dem HochgesiM oes