400
Maßgebliches und Unmaßgebliches
finden, die nur mittelbar und auf Umwegen rückwirkend den Gemeinsinn stärken und die Volksfeste schrittweise dem erstrebten Ideal näher zu bringen, so ist auch das des Schweißes der Edeln wert; bleibt es doch unsre unerschütterliche Zuversicht, daß eiu solchen Zielen zähe und unablässig zustrebendes Volk auch, wenn die Zeit erfüllt ist, die leitenden Männer findet, die dem Kampfe zum Siege verhelfen.
(Schluß folgt)
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Semitisches, Antisemitisches und Christlich-Soziales. Paris und Wien haben am 9. wieder einmal ihren kleinen Zlg-olc I'M-^ gehabt, der allerdings kein Freitag, sondern ein Sonnabend war. So rätselhaft die Getreidebörse in agrarischer Darstellnng ist, so durchsichtig ist die Effektenbörse oder vielmehr deren Spiel. Der Kladderadatsch hat es jüngst in den zwei Figuren der Hausse und der Baisse, die ihren Inhalt tauschen, anfs trefflichste veranschaulicht; der wechselseitige Mästungs- und Entfettungsprozeß der beiden Männchen erinnert an eine freilich weit poetischere Figureugruppe: die Schlange uud die Irrlichter in Goethes Märchen. Fraglich konnte in diesem Falle höchstens bleiben, ob die Hausse oder die Baisse der schuldige Teil sei, d. h. ob die Kurse in schwindelhafte Hohe hinaufgetrieben oder durch Verwertung der schwarzen Punkte am Osthimmel von einem normalen Stande hinabgestürzt worden sind, oder ob sich beide Parteien in die Schuld teilen, ob der durch den Schwindel der Haussiers unvermeidlich gewordene Sturz von den Baissiers durch künstliche Mittel gefördert worden ist. Die Hauptschuld scheint auf den Haussiers liegen zu bleiben, und zwar auf den Goldshare- spekulanten; in Paris, wo besonders viel Theaterdämchen und Litteraten zn den ausgequetschten Blutegeln gehören, scheint der Verlust der Hausse fast ausschließlich in der Entwertung der Goldshares zu bestehen. Auch die Krenzzeitung hat sich sofort dieser Auffassung angeschlossen; sie sieht in der Znrückführung der Kurse ans ihre normale Höhe eine Wohlthat und vermag für die Opfer kein Mitleid zu empfinden, weil die Zeitungen monatelang eindringlich genug gewarnt hätten. Der Ekonomist der Neuen Freien Presfe benutzt die Gelegenheit zu zwei beachteuswerten Mahnungen. Eine geht an die Regierungen, die durch ihre Konversionspolitik nicht wenig dazu beitrügen, das Publikum nach höherm Zinsgenuß hungrig zu machen und so zum Spiel zu drängen; die andre an die grundsätzlichen Feinde der Börse' das Charakteristische des bösen Neunten sei eben gewesen, daß es an diesem Tage keine Börse, kein Spiel von Angebot uud Nachfrage gegeben habe; niemand habe gekauft, und die Kurse seieu unter dem Eindruck der herrschenden Panik von Zufällen diktirt worden; gäbe es keine Börse, so würde die Preisbildung gewöhnlich