332
Robert Schumann und Robena Lcndlciw
Damit ist die Leipziger Zeit der Miß Laidlaw abgeschlossen. Die Widmung der Phantasistücke empfand sie als die größte Ausreichnung, die ihr in dieser Art zu teil geworden ist;*) aber nach ihrem Dankschreiben erhielt sie keinen Brief von Schumann wieder. Nicht aus Unfreundlichkeit oder verminderter Teilnahme. Das Stillschweigen Schumanns erklärt sich hinreichend aus der niedergedrückten Stimmung, die ihn infolge der abweisenden Haltung des alten Wieck seit dem Herbst 1837 beherrschte. Die Vereinigung mit Klara und der darauf gebaute Plan einer Übersiedlung nach Wien erfüllte sein ganzes Sinnen und Denken. Da mnßte eben manches andre in den Hintergrund treten. Auch nahm ihn seine ausgedehnte Arbeit für die Zeitschrift sehr in Anspruch.
Aus Miß Laidlaws spätern: Leben sei nur noch das Wichtigste berichtet. Im Frühjahr 1838 von Petersburg nach Königsberg zurückgekehrt, konzertirte sie im Herbst und Winter in Norddeutschland; 1839 reiste sie über Hannover nnd München (wo Franz Lachner ihr das Diplom als Ehrenmitglied des philharmonischen Vereins überreichte) nach Wien; von da (Anfang 1840) über Berlin und Hamburg nach London, wo sie drei Jahre verweilte, hauptsächlich mit Unterrichtgeben beschäftigt. Im Frühjahr 1843 trat sie wieder eine Konzertreise auf dem Festlande an, die sie nach Paris, Holland uud durch das nordwestliche Deutschland bis nach Frankfurt a. M., von da nach Brüssel und (Anfang 1844) wieder nach Holland zurückführte. Überall spielte sie anch an den Höfen, dnrch Ehrenbezeugungen aller Art ausgezeichnet. Das Jahr 1845 verlebte sie in Königsberg und siedelte dann ganz nach London über, um sich ausschließlich dem Unterricht zu widmen. Ihre ünßern Verhältnisse gestalteten sich so glücklich, daß sie einige Jahre später ihre Eltern zn sich nehmen konnte, als ihr Vater infolge davon, daß während des deutsch-dänischen Krieges von 1848 in der Ostsee seine nach England bestimmten Schiffe mit Beschlag belegt worden waren, fallirt hatte.
Im Jahre 1852 verheiratete sich Miß Lcndlaw mit dem schottischen Rechts- anwalt Thomson in Essex und wohnte dann auf einein Landgute. Später zog die Familie nach London, wo noch gegenwärtig die inzwischen zu hoheu Jahren gelangte verehrungswürdige Frau — schon längere Zeit verwitwet — in glücklichem Familienkreise lebt.
Mrs. Thomson erfreut sich einer seltenen körperlichen und geistigen Rüstigkeit. „Sie ist eine sehr liebenswürdige Dame (so charnkterisirt sie Pauer), eine höchst angenehme, sympathische Erscheinung — mittelgroß —, schone, noch immer rosige Gesichtsfarbe, ausdrucksvolle Augen, lebhafte Sprache uud an allem Interesse nehmend." Ihre geistige Frische offenbart sie anch in ihren
*) Von Steifensand, Marxsen, Pixis, Taubert und Damcke wurden ihr ebenfalls Kompositionen gewidmet.