Beitrag 
Heimat und Volkstum :
(Fortsetzung)
Seite
224
Einzelbild herunterladen
 

224

Auiist und Polizei

bung genügte. Für die lyrische Dichtung nnd das Gebiet des Humors war der Gebrauch des Dialekts in vielen Fällen so lange geradezu unvermeidlich, als noch ein ungebrochnes heimisches Vvlkstum bestand, und die Klaus Groth und Reuter, die Anzengruber und Rosegger traten meiner Ansicht nach gerade da mit Notwendigkeit hervor, als es leise zu bröckeln anfing. Solange es noch ein Heimatgefühl in Deutschland giebt, werden die Werke, die mit Not­wendigkeit im Dialekt geschrieben sind, auch sicher dauern, aber neben der hochdeutschen Nationallittcratur noch verhältnismäßig selbständige Litteraturen im Dialekt zu unterhalten, dazu reicht die talentebildende Kraft des deutschen Voltes nicht aus, und so mag man sich denn begnügen, die vvrhandne gute Dinlektlitteratnr es giebt auch viel schwaches Zeug darunter noch mehr, als es bisher geschehen ist, im Volke zu verbreiten.

(Schluß svlgt)

Kunst und Polizei

MKM

l)c>» Konrcid Tciiige (in Tübingen)

n der ersten Kunststadt Deutschlands, in München, haben sich vor einigen Wochen zwei Dinge ereignet, die für unser modernes Kunstleben zn charakteristisch sind, als daß die Grenzbotcn daran mit Stillschweigen vorübergehen dürften. Das eine Ereignis spielte sich in dem Atelier eines Bildhauers ab, das audre im königlichen Kupferstichkabinett.

Im Kupferstichkabinett befand sich nnter den zur allgemeinen Besichtigung ansgehängten Blättern die bekannte Nadirung eines männlichen Aktes von Karl Stcmffer, wie alle Nadirungen dieses leider zu früh verstorbnen begabten Künstlers ein wunderbar naturalistisches und deshalb rein künstlerisch wirkendes Blatt. Es ist ja klar, daß eine nackte menschliche Gestalt in der Kunst um so reiner nnd unverfänglicher wirken muß, je ernster und aufrichtiger das na­turalistische Studium ist, das sich in ihrer Darstellung bekundet. Der Genuß, den der Beschauer an einer solchen Arbeit hat, ist eben rein künstlerischer Art und schließt deshalb, und je großer er ist, um so mehr, jeden unlautern Nebengedanken aus. Darum ist auch in den großen Blütezeiten der Kunst, besonders in der Antike und in der italienischen Renaissance, die Darstellung