Line englische Bürgerkuiide
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dem Sprung vom Absolutismus bis zum allgemeinen Wahlrecht kaum ciu Vierteljahrhimdert gebraucht hat, daß der gauze Aufbau unsrer Neichseinrich- tungen verglichen mit dem langsamen Werden des englischen Selfgoveruement fast wie aus der Erde gestampft erscheint, so begreift man, wie das Errunguc und Bestehende auch in viel höherm Grade Gemeingut der englischen Nation hat werden müssen als bei uns. Der Hauptzweck des Maldenschen Buches ist daher, seinen Landsleuteu zn Gemüte zu führen, wie die Größe und das Glück Englands aus der Tüchtigkeit der Vorfahren erblüht seien und deshalb auch die unausgesetzten Anstrengungen jedes einzelnen Gliedes des lebenden Geschlechts erfordern, um England den Enkeln noch größer und glücklicher zu überliefern. So ist das Buch von edelm und stolzem Patriotismus erfüllt und ein rühmliches Zeugnis dafür, wie wenig der Parteigeist imstande ist, die englische Nation ihrem einen großen Ziele abspenstig zn machen, das kein geringeres ist als die Weltherrschaft. Da dieses Ziel auch Deutschland recht nahe angeht, so ist es für uns sehr nützlich, sich über das Geheimnis der englischen Erfolge Rechenschaft zu geben und es nicht zu verschmähen, von unsern angelsächsischen Vettern zu lernen, so wenig sie uns auch zu Zeiten sympathisch sein mögen, und so sehr wir auch unsre Eigenart uns zu erhalten wünschen müssen. Das Maldensche Buch ist hierzu ein vorzügliches Hilfsmittel, da der Verfasfer offenbar die ganze Fülle der politischen Bildung seiner Natiou in sich vereinigt.
Äußere Machtmittel siud es offenbar nicht gewesen, die England groß gemacht haben. Die Landarmee ist, verglichen mit den gewaltigen festländischen Heereskörpern, fast zu allen Zeiten winzig gewesen. Auch Malden berechnet ihre Kriegsstärke mit Einschluß von 140000 Mann Miliztruppen und 14000 Mann Landwehrreiterei (^om-mi-^), sowie von 149000 Mann eingeborner indischer Truppen im ganzen nur auf 364000 Kopfe. Dazu kommen freilich die Vo- lunteers. Malden will nichts auf sie kommen lassen, wir hören ihn aber doch über „die alberne Mode" klagen, über sie „zu lachen nnd zu spotten." Er ist kein grundsätzlicher Gegner der allgemeinen Wehrpflicht, znmal da keine Regierung imstande sein wurde, sich auf eine aus der allgemeinen Wehrpflicht hervorgegangn« Armee zu stütze», wenn sie darauf ausgehe« wollte, volkstümliche Bewegungen niederzuhalten. Schließlich bricht aber das alte, seit Crom- wells Zeiten eingewurzelte Mißtrauen wieder durch, daß auch eine solche Armee einen ungebührlichen Anteil an der politischen Macht in die Häude zu bekommen suchen werde. Übrigens würde mau die, krnft der allgemeinen Wehrpflicht in England ausgchobncn Leute doch nicht wohl zum Dienst in Indien nnd in den Kolonien zwingen können. Zum Schutze des Heimatlandes ist aber die jetzige Wchrverfassnng genügend, und für den auswärtigen Dienst werden Söldnerheere und eingeborne Truppen stets unentbehrlich sein. Dagegen erkennt auch Malden an, daß die Aufrechterhaltung der Vorherrschaft