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Beiträge zu einer künftigen Anthologie
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38 verfehlter Anschluß

die lobpreisenden Waschzettel zu wiederholen, die mit jedem Bande neuer Lyrik versandt werden, als selbst nachzuprüfen, wo etwa ein Goldkorn aus grauem Gestein hervorleuchtet. Hoffentlich überzeugt uns die eine oder andre zu­künftige Anthologie, daß doch ein Schweiß in der Welt bezahlt wird, wie der Räuber Moor sagt.

Verfehlter Anschluß

ssessor Hering war ein unglücklicher Mensch. Anch in seinem Falle war es die soziale Frage, die ihm schlaflose Nachte be­reitete, eine Kette von Verstimmungen knüpfte und mehr und mehr seiu Leben zu verkümmern drohte. Freilich nicht die soziale Frage, die die Volksvertretungen beschäftigt, wohlmeinende Männer in Stadt und Land in Atem hält, zahllose Vereinsgründungen be­günstigt, den Autoren neues Wasser ans ihre Mühlen schüttet, die Gemüter entzweit nnd verbindet, jedem Meuschenalter vorgelegt wird, oft unter Kriegslärm, Sieges­jubel und Freudentaumel überhört und niemals den strengen Examinator be­friedigend gelöst wird. Diese universale Frage, die bei der Prüfung jedes Cötus wiederkehrt, drückte den Assessor Hering nicht. Er hatte seine eigne soziale Frage. Und weil sie keinen iuteressirte, weil ihn keiner verstand, kein teilnehmendes Gemüt sich seiner annahm, mußte er unglücklich werden, und er verstrickte sich in diesen Kausalnexus mit methodischer Gründlichkeit. Versetzter Ehrgeiz von Jugend auf war es, der seinen Eifer zugleich spornte und lahmte, seine Freuden vergiftete, ihm und seinen Angehörigen manche harmlose Bethätigung der Daseinslust verdarb.

Schon sein unglücklicher Name Hering war für ihn ein quälendes Attribut. Als er, für ihn zum erstenmale, bei der Aufnahme in die Schule, in der Öffentlichkeit zur Sprache kam, fand ihn ein sechsjähriger Mitschüler be­lustigend, und seitdem konnte er sich niemals ohne Befangenheit nennen oder rufen hören, stets war es ihm peinlich, andern vorgestellt zu werden. Jener Junge aber, der, ohne es zu wissen und zu wollen, zuerst dieses Gefühl der Minderwertigkeit in ihm geweckt hatte, wnrde auch sonst noch bedeutungsvoll für sein Leben, er wurde seiu bester Freund, sein Vorbild und Leitstern, dem er es in allen Dingen nachzuthun nie ermattete. Dieser Knabe, der den ganz neutralen Namen Gustav Meyer führte, war zwar von völlig anderm Schlage, leichtblütiger, gesünder, begabter und unbefangner; aber das hinderte den kleinen Hering nicht in seinem Bestreben, die Neigungen Gustavs zu teilen, seinen schnellen Erfolgen in der Schule rastlos nachzuklettern, alles, was der in leicht wechselnder Laune schön und begehrenswert fand, nicht ganz so leicht, aber nicht minder entschlossen zu bewundern und zu begehren, und den großen Hering hinderte es nicht, ebenso wie Meyer die juristische Laufbahn als die