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Maßgebliches und Unmaßgebliches
summt mir eine alte Melodie in den Ohren: „Und da will man gern herunter, und da kann man nicht!" Mit diesem Verslein wollen wir uns von der aller- neuesteu Utopie verabschieden.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Parteipolitik und unabhängige Kritik. Unsre Leser haben das Recht, zu fragen, was wir zu den beiden Tranerfällen im konservativen Lager zu sagen haben. Über den Fall Hammerstein — gar nichts. In dieser Beziehung sind die Nerven unsers sonst höchst nervösen Geschlechts so abgehärtet, daß einer Partei auch eiu Dutzend Auflagen dieses Falles nichts schaden würden, selbst wenn in dem Panier dieser Partei „Für Religion uud Sittlichkeit" geschrieben stände, der Kom- prvmittirte ihr Bannerträger gewesen wäre, und sie ihn noch zu halten gesucht hätte, nachdem seine Verbrechen schon weltbekannt geworden waren. Die einzige Folge — und das ist keine politische — wird sein, daß sich die konservativen Redner und Zeitungsschreiber aus Besorgnis vor allgemeiner Heiterkeit ein paar Monate lang der pathetischen und salbungsvollen Moralpredigten enthalten werden.
Dagegen hat der Fall Stöcker politische Bedeutung. Die dadurch geschaffne Lage läßt sich kurz folgendermaßen beschreiben. Die Nationnlliberalen begrüßen das offne Eingeständnis des rechten Flügels der Konservativen, daß er seinerzeit „zur Rettung des Vaterlands" an der Befreiung des Kaisers aus der Gewalt Vismarcks und des Kartells gearbeitet habe, mit Freuden; sie hoffen, dadurch diesen Flügel bei Hofe und bei der Mehrzahl der Wähler unmöglich machen und eine Kartellmehrheit zuwege bringen zu können. Die Konservativen erwidern ihnen: Bildet euch nicht Schwachheiten ein! Wir denken gar nicht daran, das abzustoßen, was ihr die extremen Elemente nennt. Gerade diese machen unsre Kraft aus. Wollten wir die Orthodoxen uud die Agrarier von uns abstoßen, so würde es uns bald ergehen wie euch, die ihr (so schrieb die Kreuzzeituug vor einigen Tagen) beinahe nur noch ein Generalstab vhue Heer seid. Wenn ihr uns die Gefolgschaft verweigert, so gleicht ihr dem Hunde, der nach dem Schatten schnappte und das Fleisch ins Wasser fallen ließ. (Ebenfalls Worte der Kreuzzeitung.) Man giebt den Nationalliberalen zu verstehen, daß eine Kartellmehrheit (wie wir es oft gesagt haben) eine arithmetische Unmöglichkeit sei. Selbstverständlich muß das Zentrum uuter diesen Umständen Morgenluft wittern. Seine Organe, die noch vor wenigen Jahren über „St. Sedan" fpotteten, überbieten die alten „Reichsfreunde" in der Entrüstung über die sozialdemokratischeu Unverschämtheiten, drängen sich an den Kaiser hinan und stellen sich ihm für den Kampf gegen den Umsturz als aller- getreueste Garde zur Verfügung; über die Fälle Stöcker und Hammerstein breitet die Germania den Mantel des Auslands und der christlichen Liebe; sie ereifert sich über das unanständige Breittreten in der liberalen Presse und ruft nach dem Stnaisanwnlt, daß er dem Skandal ein Ende machen und weitere Veröffentlichungen über Hcimmcrsteins Privatleben verhindern möge. Offenbar steht, eben aus arith-