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Wandlungen des Ich im Zeitenstrome : 8. Das Jahr 1870 :
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Friedrich Hebbel und Gtto Ludwig

wißheit erlangt, daß Sie noch immer den Standpunkt des Rheinischen Merkur festhalten, den Boden der kirchlichen Autorität verlassen und Papst und Bischöfen gegenüber die Sprache Luthers führen. Sie sind leidenschaftlich erregt, daher ihre geistige Verwirrung. Sie huldigen eiuem schrankenlosen Subjektivismus und scheinen dabei keine Ahnung von der Gefahr zu haben, in der Sie schweben. Gerade weil ich Sie lieb habe, sage ich Ihnen dies offen, ohne Gehässigkeit, und werde nicht aufhören, Ihrer im Gebet eingedenk zu bleiben."

Friedrich Hebbel und Gtto Ludwig

von Adolf Bartels 4

i <Ms totÄ äi«z vurrens porvsnit, s.cl vöspizruiri, satis sst. Dieseu Ausspruch Petrarcas hat Emil Kuh als Motto über das letzte Buch seiner Biographie Hebbels gesetzt. Sowohl von Hebbel Wie von Ludwig gilt das totg. äi«z ourrons im allerhöchsten und tiefsten Sinne, ihr ganzes Leben war ein unermüdliches Ringen nach dem, was sie als echte Kunst erkannt hatten, und der Tod hat ihuen die Feder wirklich aus der Hcmd genommen; denn Hebbel schrieb noch auf dem Sterbelager amDemetrius," und Ludwig schuf noch in den Wochen vor seinem Tode den ersten Akt seinesTiberins Gracchus" mit jenen ergreifenden Abschiedswvrten des Helden, die so schön wohl nur noch in ByronsMan­fred" zu finden sind. Hebbels Abend war freundlich, der bedeutende Bühnen­erfolg seinerNibelungen" und ihre Auszeichnung durch den Schillerpreis (den Ludwig nachträglich auch für dieMatkabäer" erhielt) wirft einen ver­söhnenden Glanz über das Ende dieses Dichterlebens, das so reich an An­fechtung und Kränkung war, der Dichter wird zum Schlich doch mit dem wohlverdienten Lorber gekrönt nnd darf so sterben; Ludwigs Abend aber war trübe, auch die Sorge stand an dem Lager des Dulders, und an srische Lorbeer- krünze dachte schon lange niemand mehr. Im ganzen hat das deutsche Volk bei beiden Dichtern keine besondre Veranlassung, der Todestage mit dem Ge­fühl der Erhebung im Bewußtsein erfüllter Pflicht zu gedenken, die Litteratur­welt aber noch viel weniger; es ist immer dafür gesorgt worden, daß dem kargen Truuk Wein, den Hebbel und Ludwig hin uud wieder an die Lippen