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Maßgebliches und Unmaßgebliches
aus, Wie ichs anschaue, und es glänzt. Jetzt seht, was ist das, sage ich zum Apotheker und reichs ihm hinüber. Der siehts eiue Weile an, wiegts auf den Fingern und giebts dann dem Uhrmacher. Merkwürdig, sagt er, mir scheint, das ist— Gold ists, ohne Zweifel! sagt der Uhrmacher, der die Brille hinauf geschoben hat und das kleine Klümpchen aufmerksam betrachtet. Wo habt Ihr denn das gefunden? — Da in meinem Schuh jetzt eben, sag ich, aber dabei ist mirs den Rücken kalt hinuntergerieselt, denn mein Traum ist mir plötzlich wieder klar vor der Seele gestanden. — —
Wie er fertig ist, mit Erzählen, der Lange, und ich ihn verdutzt anschaue, langt er sein Geldtäschlein hervor, machts auf und nimmt ein gelbglänzendes Klümpchen heraus uud zeigt mirs. Da sehen Sie, sagt er. Es ist Gold. Gediegnes Gold!
Ich nehme es in die Hand — es wog ganz schwer.
Und wo das war, da ist mehr, sagt der Lange. Aber wer findet es? Ich hab Ihnen die Sache nur erzählt, weil ich weiß, Sie sagen es niemand weiter. Wenn ich nur das wüßte, was ich dem Männle Hütte sagen sollen. Das rechte Wort! Wenn das dem alten Knechtlein wieder einfiele! Ich meine schon, ich muß noch einmal hinauf!
Damit thut er das Klümpchen wieder in sein Täschchen, schaut mich an und streicht sich den Bart. Dann steht er auf und geht nach der Thür. Ich will ihn noch fragen, wo er die Geschichte erlebt hat, denn auf die Berge da herum paßt die Beschreibung nicht. Aber da ist er schon hinaus. Ich warte eine Weile und frage dann die Zenz, wie sie hereinkommt, wo denn der Herr geblieben sei, der da gesessen habe.
Fort, sagt sie, ist er gangen. War halt ein Fremder. Ein Maler wirds gewesen sein. Kommt immer so einer und malt droben die Berge ab.
Nun weiß ich nicht, hat crs erlebt, oder hats ihm nur geträumt, oder hat er mir was vorgelogen.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Gastfreundlicher Willkomm. Ein Zufall weht uns folgenden Entwurf eines Begrüßungsartikels auf den Schreibtisch, den offiziöse Federn aus Anlaß des demnächst bevorstehenden Besuchs Ihrer höchst gnadenreichen großbritannischen Majestät in Deutschland für das Leiborgan des Reichskanzlers zurecht gemacht haben. „Ihre Majestät, heißt es da, kann in Deutschland stets einer herzlichen Aufnahme sicher sein, zuuächst als Großmutter unsers Kaisers, dann als Freundin und Verbündete Deutschlands. Zwar haben es die Deutschen von jeher mit dem salischen Gesetz gehalten und den Frauen in öffentlichen Angelegenheiten keine entscheidende Stimme eingeräumt. Dennoch steht auch bei uns die politische Weisheit der Großmütter, Schwiegermütter und Tanten im höchsten Ansehen, gern und willig leihen