Der erste Beste
Erzählung von Gtto Verbeck (Fortsetzung) 15
er Weg nach Neuenwerth führte zunächst durch das Dorf, das zu Lindenhof gehörte.
Auch hier war Margarete schon kein Fremdling mehr. Fritz sah mit stiller Befriedigung, wie ihr die Kinder am Wege vertraulich zunickten, die Leute an den Hausthüren sie mit Hand und Mütze grüßten. Er wußte durch Mamselling, daß sie bei verschicdnen Krankheitsfällen verständig beigesprungen war. Ihm gegenüber hatte sie kein Wort davon verlauten lassen. Mehr als einmal war er auch selber ihren Spuren begegnet, wenn er, vom Felde heimkommend, hie und da vorgesprochen hatte, um auf seine Weise „nach dem Rechten zu sehen."
Draußen vor dem Dorf im Schatten der Baumreihe kam ihnen ein hochgewachsener Mann entgegen, von einem jungen Burschen geführt, langsam, mit eigentümlich schiebendem Schritt, den weißhaarigen Kopf mit den geschlossenen Augen etwas zurückgelegt.
Der Pastor, sagte Fritz halblaut. Halt, Krischan.
Er sprang aus dem Wagen und eilte auf den alten Herrn zu.
Schönen guten Tag, Herr Pastor!
Hallo, mein Junge! rief der Pastor, wohin des Weges? Er ließ seinen Führer los und nahm dafür Fritz am Arm.
Die beiden andern waren auch ausgestiegeu. Margarete kannte den ehemaligen Lehrer ihres Mannes bis jetzt nur flüchtig von einem kurzen Besuch. Er war einige Wochen krank gewesen. Etwas beklommen näherte sie sich ihm. Das Mitleid mit dem Blinden drückte ihr das Herz zusammen. Wie schrecklich, daß er so durch seine tiefe Nacht dahergegangen kam, mitten im hellen Sonnenschein! Er wandte ihr jetzt sein schönes, ruhig heiteres Gesicht zu.
Höre ich da nicht — sagte er.
Meine Frau und Hans, erklärte Fritz. Wir sind im Begriff, nach Neuenwerth zu Sternfeldts zu fahren.
I, dann fahrt, Kinder, fahrt, haltet euch nicht auf. Er streckte seine Hand aus, die Margarete faßte und drückte.