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Die Geisteskrankheiten im Heere
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Die Geisteskrankheiten im Heere

von Georg Jlberz

ie Anforderungen, die in einem Kriege der Zukunft an die Ärzte werden gestellt werden, die die Truppe ins Feld zu begleiten haben, werden außerordentlich groß sein infolge mancher Ver­änderung iu der Kriegführung, infolge der Verbesserung der Schußwaffen, endlich auch infolge des größern Zeitaufwands, den die gegenwärtige Behandlung der Verwundungen erfordert. Bei aller Geschicklichkeit, bei allem Fleiße und bei dem besten Willen wird der Arzt im Felde nicht immer allen an ihn herantretenden Verpflichtungen gerecht werden können. Es gehört daher zu den notwendigen Vorbereitungen für den Krieg, weitern Kreisen der Gebildeten, die zum Heere in Beziehung stehen, wenigstens einiges Verständnis für bestimmte Erkrankungen zn vermitteln. Dies ist namentlich auch hinsichtlich der Geisteskrankheiten geboten, über die meist die notwendigsten richtigen Begriffe fehlen, während die gröbsten Irrtümer weit verbreitet sind.

Der Ansbruch einer Geistesstörung kann im Kriege sehr ernste Folgen nach sich ziehen. Während im Frieden immer leicht ein Fachmann. der den einzelnen Fall iu Rnhe prüfen kann, zu erreichen ist, werden im Felde die Ärzte gnuz außer stände sein, alle die verstreut bei der Armee auftauchenden Geisteskranken felbst genau zu beobachten und zu beurteilen. Zur Be­urteilung eines kranken Seelenzustandes braucht man vor allen Dingen Zeit; denn es kommt nicht nur auf das Bild an, das der zu Untersuchende in dem Augenblick, wo ihn der Arzt sieht, darbietet, sondern meist ist es erforderlich, genaue Kunde über seine Familienverhältnisfe, seinen Lebensgang, sein gesamtes früheres Wesen und Benehmen einzuziehen. Znr Feststellung der seelischen Veränderungen eines Soldaten während des Krieges sind daher die Ärzte natürlich auf die Mitwirkung der Offiziere angewiesen, die ihren Untergebnen oder Standesgenossen durch täglichen Verkehr kennen, die in der Lage sind, ihn zur Zeit der Entwicklung einer Krankheit zu beobachten. Es ist daher gewiß im Interesse der Sache, daß die Offiziere wie es ja für die Juristen schon längst als notwendig anerkannt ist gelegentlich einen Überblick über die sie angehenden irrenürztlichen Dinge erhalten, damit sie ungefähr wissen,