Schimi
137
wirklich Gottes Stimme, sofern es von der Vorliebe für historische Gemälde nie abgekommen ist, noch abkommen wird. Sicherlich liegt dem nicht bloß gemeine Schaulust, sondern ein instinktiver ästhetischer Idealismus zu Grunde.
Ließe die moderne Nichtuug ab vvu ihrer ungerechtfertigten Verfolgung des geistigen Gehalts in der Malerei, so könnten sich die verschiednen Richtungen wieder in einer der Würde der Kunst angemessenen Weise unter einander vertragen, und der neuern Bewegung würde trotzdem ihr Verdienst um den techuischeu Fortschritt ungeschmälert bleiben. Ihre jetzige Haltung ist leider völlig unfruchtbar, da sie verdammt, wo sie nicht zu belehren vermag.
Schimi
(Fortsetzung) 4
raußen wurde es Morgen, und immer waren noch Gäste da. Franzi stand im Saal au einem Pfeiler und sah, wie oben ein paar Leute an den Dekorationen rissen und sich lange Zweige von den künstlichen Blnmen brachen. Gehns, Werfens mir auch ein paar Blumen herunter! rief sie hinauf. Dann sah sie den Schimi oben hernmtnruen und rupfen und rupfen. Wissen Fräulein auch, daß es streng untersagt ist, die Dekorationen anzurühren ?
Ach, 's ist doch die pure Bewundernug, daß wir sie mitnehmen!
Ja, grad das hat Eva auch gesagt im Paradies! Und schauns, da werden wir auch schon ausgetrieben!
Die Mnsik hatte zusammengepackt und war gegangen. Jetzt mußte die Gasleitung abgestellt worden sein, denn es wurde jeden Augenblick dunkler. Von draußen aber drang der Tag herein, so wie ein Kunstkritiker schildert, kühl und nüchtern, und trieb die Nachzügler hinaus.
Nur hinter einem Pfeiler, unter den Arkaden versteckt, war noch ein Tisch Trinkbrüder, die sich nicht verscheuchen ließen. Jcmko deutete mit dem Kopf hinüber.
Da sitzen sie, meine ungarischen Brüder, im Wert von fünfzig Gulden für mich. So viel haben sie in den letzten zwei Wochen Reisegeld von mir erhoben. Schimi, ich bitt dich, sieben Gulden bis nach Wien! sagt der eine, und: Bitt schön, Schimi, fünfzehn Gnlden bis nach Aszvd! der andre. Der eine will nur bis an die Grenze, der andre bis Siebenbürgen! Ein paar davon haben einmal eine Photographie bemalt gehabt, einer einen Schatten an der Wand nachgezeichnet, alle waren sie auf irgend eine Art hinter ihr Genie gekommen, und nach München haben sie gemußt, berühmt werden haben sie wollen, wie der Grenzboten II 189S lg