Der Streit der Fakultäten HZ7
Examen war es diesmal nichts, so viel hatten wir durch unser Revolutiönchen oder besser Pronuneiamento — waren wir doch von unserm General geführt worden — erreicht, aber vom nächsten Semester ab wurde es regelmäßig abgehalten; auch Stern beugte sich knurrend und brummend der höhern Gewalt.
Der Streit der Fakultäten
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oktor Utermvhlen machte an den folgenden Tagen seinen regelmäßigen Besuch im Stift; doch die gemütliche Stimmung des erste» Abends wollte sich nicht wieder einstellen. Lag es nun an der frühern Stunde seiner Besuche oder daran, daß er bei fortschreitender Heilung entbehrlicher wurde, kurz von einer Tasse Thee oder Kaffee, einem ruhigen Plauderstündchen war nicht mehr die Rede. Vielleicht war er selbst schuld daran, da er jetzt immer fuhr und den Wagen während seines kurzen Aufenthalts warten ließ. Die Damen konnten unmöglich wissen, daß er nm den Preis einer Unterhaltung über die Heide, die jetzt gerade blühen mußte, seine sonst so geliebten und geschonten Pferde gern weit über ihre Zeit hinaus hätte halten lassen, oder daß er sie auch nötigenfalls mit dem hungrigen Kutscher vorausgeschickt hätte. Ab und zu traf er auch bei seiner Patientin die eine oder die andre der übrigen Stiftsdamen, und dann war er wie auf den Mund geschlagen. Er glaubte baun sein weiberfeindliches Unbehagen am besten hinter Kürze und knapper Sachlichkeit verbergen zu können und suchte möglichst schnell die Thürklinke wieder in die Hand zu bekommen, zumal wenn die vernünftige Nichte, wie er sie bei sich nannte, einmal nicht zugegen war.
Als er eines schönen Nachmittags, um, wie er sich einredete, doch auch einmal einen Spaziergang zu machen, zu Fuße gekommen war, in der unaus- gednchten Absicht, seinen Besuch auszudehnen, wurde er besonders unangenehm enttäuscht. Er fand bei den Damen schon einen Gast vor, den er gleich bei der flüchtigen Bekanntmachung unansstehlich fand. Vor der Hand hatte er nun zwar als Arzt das Wort, aber als er nach ausgedehnter Untersuchung des gut heilenden Armes zum Bleiben aufgefordert wurde, konnte er bald bemerken, daß die Heidestimmung verflogen war, nnd daß der Tag unter einem andern Zeichen stand. Der Gast war ein vr. Töteberg aus der Hauptstadt, der den Auftrag hatte, die Kunstdenkmäler der Landschaft aufzunehmen und