Zur Kenntnis der englischen Weltpolitik
Z
st es nicht wunderbar, daß die Geschichte, die sich lebendig vor uns ereignet und uns innerlich und äußerlich aufs tiefste berührt und bewegt, eigentlich uur für die Zeitungsschreiber daist, daß wir ihr nicht den Wert von Geschichte, sondern nur von Tagesereignissen beilegen und demgemäß nicht aus ihr zu lernen suchen, sondern aus der allein, die versteinert und, weil leblos, nie wehr ganz verständlich hinter uns liegt? Ist es nicht die Unzweckmäßigkeit selber, daß der Fleiß und Geist der Geschichtsforscher vor der Gegenwart Halt macht? Ja, unzweckmäßig für die Völker, die zuschaue»; aber sicherlich höchst zweckmüßig für die, die den Mut haben, in die Arena zu steigen, und die die Geschichte machen. Denn bis die Zuschauer eine Handlung verzeichnet haben und daraus ihre weisen Lehren zu ziehen beginnen, sind die Handelnden schon zu einer andern Handlung fortgeschritten, ans die keine Lehre der Vergangenheit paßt, und am Ende teilt sich dann die Menschheit in zwei Hälften, von denen die eine schafft, die andre zusieht, die eine handelt, die andre fchreibt, die eine fortschreitet, die andre — zu spät kommt.
Für viele von uns ist England der Industrie- und Handelsstaat, der die Welt mit Banmwollwaren und Maschinen, Biskuits und Pickles versorgt, der für seinen Handel eine Masse von Kolonien erworben hat und durch ihn und sie das Meer beherrscht. Es wird als kommerzielles und indnstrielles Zentrum unmer reicher an Geld, Kaufhäusern und Fabriken, aber auch reicher an Gegensätzen von Besitz und Armut, Bildung und Roheit. Daran muß es eines Tages zu Grunde gehen, und dann wird eine andre Nation, vermutlich die deutsche — denn diese muß doch einmal den praktischen Gewinn aus ihren Grenzboten I 1M5 5»