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Ein neues Buch über das alte Italien
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Ein neues Buch über das alte Italien

ieder ist die Zeit nahe, wo der uralte Drang der Germanen nach dem Süden in den deutschen Landen mächtiger wird als in jeder andern Jahreszeit. Schon seit mehreren Tagen liegt der erste Lockvogel, der uns über die Alpen zieht, auf unserm Tische: Gsell-Fels hat den kleinen Meyerschen Reiseführer: Italien in sechzig Tagen, den selbst Kunstgelehrte neben dein Vurckhardtschen Cicerone in die Reisetasche stecken, zum fünftenmale in die Welt geschickt. Aber die Zeitungs­berichte, die wir seit sechs Wochen lesen, stimmen Wunsch und Hoffnung von Tag zu Tage mehr herab. An das alte Märchen vomLand der Sonne" mit seinem ewig blauen Himmel glaubt heute niemand mehr, der einmal unter diesem blauen Himmel geweilt hat. Daß es aber so schlimm kommen würde wie in diesem Jahre, daß auch jenseits der Alpen der Winter mit so trotzigen Geberden wie bei uns an die schlecht schließenden Fenster klopfen würde, das hätte niemand geglaubt. Daß es im Augusteischen Zeitalter, das uns sonst so lieblich geschildert wird, um diese Zeit, in den erste» Monaten des Jahres, Schnee, Eis und Hagel gegeben hat, wissen wir aus Horaz. Ob es aber da­mals auch schon vorgekommen ist. daß die Blüte der Mandelbäume in Sizilien um diese Zeit erfror? Einstweilen hat also der Deutsche, der mit Sehnsucht auf einen allgemeinen Umschwung des Wetters wartet, reichliche Muße, sich im Gsell-Fels umzusehen. Wer znm erstenmale seine große Rundreise an­tritt, wird bald seufzend bekennen müssen, daß er sich mit gebunduen Händen dem Führer anvertrauen muß, wenn er wenigstens überall gewesen sein und überall etwas gesehen haben will. Wer schon mehrere Reisen hinter sich hat, wird, wenn er in dem Buche seine Lieblingstouren aufsucht, oft genug stutzig und mißgestimmt werden. Wenn er das KapitelRom" aufschlägt, wird seine Mißstimmung, je nach seinem Temperament, in Ärger, Zorn und Melancholie umschlagen. Was haben die neuen Römer aus dem alten Rom gemacht! Sie wollen mit aller Gewalt aus einem riesigen Museum, das die schöpferische Geistesthütigkeit jeglicher Art im Laufe von fast drei Jahrtausenden in einem, wenn auch bisweilen etwas undeutlichen und verzerrten Spiegelbild erhalten hat, eine Weltstadt nach Pariser Stil, mitallen Errungenschaften des mo­dernen Verkehrs und der modernen Wohlfahrtseinrichtungen" machen. Daß