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machte ihm unendliche Freude, neben diesem schlanken, vornehmen Mädchen herzugehen und von der Liebe und dem Schicksal fremder Romaugestalteu zu fabeln, sich Bücher empfehlen zu lassen und selbst auf dieses oder jenes aufmerksam zu macheu. Das Ganze war zwar harmlos, das Litteraturgespräch müssig, aber sichtlich war es anregender als die Tischunterredung mit den vornehmen alten Damen, von denen die eine am besten in ihrem Wäscheschranke Bescheid wnßte, die andre nur in alte» Familienüberlieferungeu, alle aber in einer Anschauung der Dinge lebten, die er wohl nicht ganz verstand, und die ihn nicht anzog. Über sein Amt zu sprechen, religiöse Fragen zu berühren und einen Standpunkt zu gewinnen, von dem ans sich diese ganze Marien- zeller Welt schon in ein Gesamtbild eingeordnet hätte, fand sich kein Anlaß. Pastor Klages war auch zu wenig an selbständiges Denken gewöhnt, als daß er dem Gespräch einen tiefern Gehalt hätte geben können; es ging ihm wie so vielen: die Studien, Menschen und Erlebnisse wirkten auf ihn ein, ohne kräftige uud entscheidende Eindrücke zu hinterlassen. Gesehen und erlebt hatte er auch noch wenig, und wie die meisten, verstand er es eigentlich auch nicht recht, etwas zu erleben.
Als mau sich nach einstündigem Spaziergauge wieder dem Hause uäherte. sprang vor der Hausthür gerade der Rechtsanwalt von seinem Rade. Für den Pastor Klages war damit plötzlich die schöne Stimmung dahin, und er beschloß, nach Hause zu gehen.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Der menschliche und der unmenschliche Kamps nms Dasein. Spinozas Wort: Homo Iwwiui clsus ist weit wahrer als das Homo iwmini lupus des ihm im übrigen seelenverwandten Hvvbes. Jedes Glück quillt dem Menschen aus dein Menschen, und stammt es auch ursprünglich von droben, so wird es ihm doch durch Menschen vermittelt. Sein Kampf ums Dasein ist ein Kampf mit der Natur, ein Kampf, in dem der menschliche Genosse und Helfer gar nicht entbehrt werden kann, und der, je mehr die Zahl der hilfreiche» Genossen wächst, desto leichter und erfolgreicher wird. In den unmenschlichen Kampf des Menschen mit dem Menschen wird der menschliche Kampf mit der Natur teils durch Schuld, teils durch Not verwandelt; durch Schuld, wenn sich die einen auf Kosteu der andern mehr vom Arbeitsertrage aueigueu, als ihnen zukommt, oder wenn sie andre zwinge», den Kampf mit der Natur für sie auszufechteu; durch Not, weun besondrer Umstünde wegen das der Natur nbgeruugne nicht zureicht. Daß der bei uns gegenwärtig wütende unmenschliche Kampf ums Dasein mehr der Not als der Schuld zu entspringen scheint, dafür haben wir in den letzten Tageu zwei merkwürdige