182
Maßgebliches und Unmaßgebliches
alles schön und vortrefflich fanden; man kennt das ja nnd kennt die Vorgänge. Daher der Zorn. Dieser Zorn verleitet ihn schließlich mit Bezug auf die Kominissionen und seine eigne Person zu dem Ausspruch: „Ein Dutzend Affenschädel ersetzen noch keinen Menschenschädel." Da habt ihrs! Hätte er eure Namen genannt, ihr hättet ihn wegen gröblicher Beleidigung vor Gericht laden können. Aber er schimpft ins Blaue hinein, wenn er auch genau weiß, wen er treffen will. Wiederum sehr fein und ritterlich.
Die „Aphorismen" hinterlassen einen traurigen, schlechten Eindruck. Begas ist gewiß ein begabter, aber ganz ebenso gewiß ein in moderner Einseitigkeit ganz und gar befangner Künstler, daher sollte er in seinen öffentlichen Äußerungen über Kunstdinge etwas vorsichtiger sein, als er es hier gewesen ist. Zwar kann ihm niemand verwehren, zu reden, wie er will nnd mag. Aber wenn man seine „Aphorismen" schwach, unreif, verkehrt, unzulänglich, an- maßlich und beleidigend findet, so darf er sich darüber nicht wundern.
Auch in sprachlicher Hinsicht können die „Aphorismen" nur Mißfallen erregen. Ich will von sprachlichen Verstößen kein Aufhebens machen, aber es fehlt darin auch nicht an Ausdrücken, die in öffentlichen Äußerungen eines gebildeten Mannes über eine ernste Sache unschicklich erscheinen müssen. Sie riechen zum Teil nach der Studentenkneipe.
Man mag die Auslassungen des Herrn Begas an sich so gering schätzen, wie man will, sie haben doch eine gewisse Bedeutung für die Beurteilung eines Künstlers, dem dnrch seine wenn auch einseitige Begabung, wie durch eine Anzahl größerer Werke, die er auszuführen das Glück gehabt hat, seine Stelle in der Kunstgeschichte gesichert ist. Von ungleich größerer Bedeutung aber sind die „Aphorismen" als ein Zeichen der Zeit. Möchte es beachtet werden!
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Das Ansehen des deutschen Reichs. Der Rcichstagsabgeordnete Hasse hat in der Begründung seiner Interpellation (wegen des Schutzes der Deutschen im Auslande) am 14. Januar ein großes Wort gelassen ausgesprochen: „Seit 1890, seit dein Rücktritt des Fürsten Bismarck, ist das Ansehen des deutschen Reichs im Auslande gesunken. Es mußte ein Ersatz geschaffen werden, der eigentlich nicht notwendig war. Denn meiner Ansicht nach war die Militttrvorlage von 1890 ein Ersatz sür das Fehlen des Fürsten Bismarck, und auch die bevorstehende Marinevorlage hat keine andre Bedeutung." Was bedeutet dieses Wort? Es bedeutet, das; dem Ansehen des deutschen Reichs in den ersten beiden Jahrzehnten seines Bestehens seine wirkliche Macht nicht entsprochen habe, daß dieses Ansehen