Maßgebliches und Unmaßgebliches
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rater Miqnels, der es offenbar auch noch nicht weiß; dann wird es wohl mit der Zeit auch das Land erfahren aus seinem Organ, der Berliner Korrespondenz, oder aus einer Gesetzvorlage.
Kriegserinnernngen. In einem bekannten Militärblatte, dem in Paris erscheinenden Fachblatt I^a I'r^nLö inilit-urs, war am 2. September folgender Brief zu lesen:
Bizcmos (Basses-Pyrvnses), deu 28. August 1895 Herr Redakteur!
Der Artikel, den Sie über einen mir befreundeten Oberst soeben veröffentlicht haben, erweckt iu mir eine einundzwanzig Jahre alte Erinnerung, die ich in dieser Zeit der Wiederkehr vou Jahrestage» Ihnen mitteilen zn müssen glaube. Ich befand mich damals in derselben Garnison wie der bewußte Oberst. Eines Tages erzählte er mir seine Erlebnisse von 1870. Verwundet bei Fröschweiler war er auf dem Schlnchtfelde geblieben, wie auch sein gleichfalls verwundeter Bursche uud eine große Zahl von Toten und sonstigen Verwundeten. Plötzlich geht die deutsche Schützeüliuie, die keinen wahrhaften Gegner mehr vor sich hat, vor und macht sich daran, mit Bajvnettstößen die Verwundeten zu morden. Mein Freund entgeht dem Tode dank seiner Satteltnschc, die durchstochen wurde, und der Ausopferuug seines Burschen. Ans das Geschrei der Entrüstnug, das der französische Offizier ausstößt, eilte ein deutscher Offizier herbei uud gab als Entschuldigung nn, daß seine Leute einen Befehl ausführten, nämlich den: alle Verwundeten der afrikanischen Truppen zu töten! Ich weiß nicht, wer der Anführer ist, dem sein ritterlicher Haß gegen die Franzosen den Gedanken eingeben konnte, eine derartige Parole auszugeben, und ich bezweifle, daß man eine Spur davon in den zahlreichen deutschen Veröffentlichungen über den Krieg 1870 finden wird; aber ich wurde erfreut sein, wenn eiuer unsrer Nachbarn jenseits des Rheins, die in diesem Augenblick alle Erinnerungen an jene Zeit wieder aufleben lassen, uns das Schlüsselwort zn diesem Rätsel geben wollte! Ich für meine Person würde nicht überrascht sein, wenn dieser Befehl von einer sehr hochstehenden Person gegeben worden wäre, es wäre nichts erstaunliches in Anbetracht der Art von ritterlichen Gefühlen, die die Deutschen zu allen Zeiten unserm Lande bewiesen haben.
Genehmigen Sie u. s. w.
Bocner, Oberst a. D.
Dem Manue kann geholfen werden. Wir könuen ihm ein Werk nachweisen, worin sich eine recht deutliche Spur der erwähnten Vorkommnisse ans der Schlacht von Wörth nnd zugleich das Schlüsselwort zu dem fraglichen Rätsel findet. Man schlage das Bnch von Th. Lindner auf: Der Krieg gegen Frankreich (Berlin, A. Asher u. Co., 1895), ein Werk, das auf Veranlassung und mit Unterstützung des deutschen Kaisers herausgegeben worden ist, und lese dort Seite 28: „Auch schlimme Künste, die der europäischen Kriegssitte Hohn sprachen, gebrauchten diese Turkos, indem sie sich wie tot niederwarfen, um dnuu deu arglos über sie wegschreitenden Gegner iu den Rücken zn treffen. Unsre Soldaten lernten bald, solcher Tücke durch einen Bajonettstich vorzubeugen." Damit ist die Lösung des Rätsels gegeben, warum eine vorrückende Linie deutscher Truppe» keiue Turkos, gleichviel ob verwundet oder nicht, in ihrem Rücken dnlden konnte. Der Verwundete wird nur unter der Voraussetzung geschont, daß er aus dem Kampfe ausscheidet. Thaten das die Tnrkos nicht, so mußten sie, obwohl verwundet, wie Feinde behandelt und Grenzboten III 189S 79